Poetry Slam „Heimat geht nur zusammen“ gestartet

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Das ist ein Aufruf an alle Poetry Slammer*innen der Mecklenburgischen Schweiz und darüber hinaus. Am 25. September 2021 um 19 Uhr wartet bei uns in der Kunsthalle auf dem Projekthof Karnitz unsere Bühne auf dich. Eingebettet in eine bunt gemischte Riege aus Jung- und Alt-Slammer*innen kannst du deine selbstgeschriebenen Texte zum Besten geben, um dich mit den anderen Mecklenburger Poet*innen zu messen.

Poetry Slam ist ein literarischer Wettstreit, bei dem selbstverfasste Texte zu verschiedensten Themen innerhalb einer bestimmten Zeit vorgetragen werden. Die Zuhörer*innen bewerten und küren anschließend die Sieger*innen.

Wir suchen Euch; Dichter*innen und Songschreiber*innen jeder Altersgruppe, jeder Berufsgruppe, jeder Haar- und Augenfarbe, Solokünstler*innen oder Bands, Menschen wie du und ich, Menschen, die was zu sagen haben.

Bist du vielleicht eine Person, die sich für unseren Landstrich stark macht, eine Ode widmet, deinen Frust über das Deutsche-Bahnnetz in M-V durch ein paar Agro-Rapzeilen zum Ausdruck bringen will oder ein Gedicht über die Moorlandschaften am Kummerower See verfasst? Dann bist du bei uns mehr als willkommen, denn das Thema 2021 ist „Heimat geht nur zusammen“. Erzähl uns alles!

Wenn du dich jetzt angesprochen fühlst, aber denkst: „wie soll ich denn meine Idee in einen Lesetext oder Song verarbeiten?“, dann bist du herzlich eingeladen am 26. Juli von 17 bis 20 Uhr an unserer Schreibwerkstatt auf dem Projekthof Karnitz teilzunehmen. Dort kannst du zusammen mit erfahrenen Autor*innen und Songschreiber*innen nicht nur üben, Texte zu schreiben sondern auch an deinem perfekten Bühnenauftritt feilen.

Und es gibt einen Zusatzgewinn: Die besten Talente des Poetry Slams gehen nach dem Wettstreit noch auf Tournee durch die Region.´

Kontakt und Anmeldungen
Susan Ihlenfeld

Diesen Wettstreit unterstützt der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern.

Zur Playlist Poetry Slam Mecklenburgische Schweiz 2020

Widerstand in der Gegenwart: Irmela Mensah-Schramm

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Seit mehr als 35 Jahren entfernt Irmela Mensah-Schramm deutschlandweit rechtsradikale Hass-Botschaften aus dem öffentlichen Raum. Ihre Arbeit dokumentiert sie akribisch. In mehr als 120 schweren Aktenordnern sammelte die 75-jährige Berlinerin Tausende Sticker und Graffiti, die nicht nur einen Rückblick in die „Baseballschlägerjahre“ der Nachwendezeit liefern, sondern auch die Neuzeit abbilden.

„Die Notizen von Mensah-Schramm sind ein Stück Zeitgeschichte“, schrieb DER SPIEGEL, welcher der ruhelosen Aktivistin im Februar diesen Jahres einen mehrseitigen Artikel widmete. „Sie zeigen nicht nur, wie allgegenwärtig der Rassismus in Deutschland ist, sondern auch, wie viele daran achtlos vorbeilaufen.“

„Begonnen hat es damals mit einem Schlüsselerlebnis“, erzählt Irmela in einem Interview mit Jan Tessin, der die Dame Anfang Mai in Malchin für den städtischen Radiosender interviewen durfte. „Vor ca. 35 Jahren entdeckte ich einen Sticker an der Bushaltestelle vor unserem Haus. Darauf stand ‚Freiheit für Rudolf Heß!‘. Ich wusste natürlich, wer Heß war. Hitlers Stellvertreter. Diesen Aufkleber habe ich dann irgendwann nach Dienstschluss abgekratzt und hatte dabei ein irre gutes Gefühl. Jetzt ist er weg, der geistige Dreck, ging mir durch den Kopf. Und ich dachte: Wenn du das nicht tust, wer tut es dann? Mit Nichtstun kann man schließlich nichts erreichen.“

Rudolf Heß – Hitlers Stellvertreter – lebte damals noch und war nur wenige Kilometer entfernt im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis inhaftiert. Er war einer von vierundzwanzig Angeklagten im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher. Heß wurde im Oktober 1946 in zwei von vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. 1987 starb Heß im Kriegsverbrechergefängnis Spandau durch Suizid. Neonazis aus ganz Deutschland verehren den Kriegsverbrecher bis heute wie einen Märtyrer. Das Heß-Konterfei findet sich auch heutzutage immer wieder auf Stickern im öffentlichen Raum.

Irmela lebt mit ihren beiden Katzen in einer gemütlichen Dachgeschosswohnung im Südwesten Berlins. Sie ist mittlerweile 75 Jahre alt, aber immer noch rastlos. Ihr herzliches, freundliches Wesen vereinnahmt die Menschen, die sie zum ersten Mal treffen. In den Medien wird sie immer wieder als „Sprayer-Oma“ bezeichnet, doch Irmala hat keine Kinder und somit auch keine Enkel.

Und doch schart Irmela gerne Kinder und Jugendliche um sich, zum Beispiel, wenn sie an Schulen einen ihrer Workshops „Mit bunten Farben gegen braune Parolen“ anbietet. Hier lernen Kinder auf künstlerische Weise, wie sie widerlichste Hassbotschaften aus ihrem Leben verschwinden lassen.

Das Entfernen von rassistischen und rechtsradikalen Inhalten im öffentlichen Raum ist für Irmela zur Lebensaufgabe geworden. Oftmals sucht sie gezielt Orte auf, an denen sie kurz zuvor menschenverachtende Schmierereien – rechtlich gesehen, rassistische Straftaten – entdeckt hat. Seit Jahren entfernt sie Aufkleber von DVU, NPD, AfD, der Identitären Bewegung, des Dritten Weges (III.) und ähnlichen Gruppierungen. Und immer wieder auch Aufrufe zum „Nationalen Widerstand“.

Früher setzte sie sich nach Feierabend oder am Wochenende in den Bus oder die Bahn, doch seit sie Rentnerin ist, ist sie bis zu viermal pro Woche unterwegs. „Ausländer raus“, „Rudolf Heß lebt“ oder ganz widerwärtige Aussagen wie „Ausländer rein in die Gaskammer“: Irmela weigert sich, diesen „geistigen Dreck“, wie sie ihn nennt, im Straßenbild zu belassen: „Die Urheber des gesprühten Hassdenkens sind gewiss nicht die Stärksten der Gesellschaft. Sie sind zumeist manipulierbar und daher beeinflusst von den geistigen Brandstiftern, die in der Politik, ja der Regierung und auch den Bildungseinrichtungen nationalsozialistisches Gedankengut verbreiten.“

Der Hass hat sich nicht verändert, sagt sie. Allerdings verpacken die Faschisten der Neuzeit ihre Botschaften „bürgerlicher“ und mit mehr Deutungsspielraum. Es gleicht einem Katz-und-Maus-Spiel mit den Verfassungsschützern. Der Staat scheint hilflos, zumindest im öffentlichen Raum. Zahlreiche Hassbotschaften prägen die Stadtbilder meist über Jahre. Irmelas Archiv dokumentiert das eindrucksvoll. Es zeigt Bilder eines wiedervereinten Deutschlands, in dem Rassismus, Antisemitismus und rechter Hass so alltäglich sind. „Ihre Ordner sind auch die Chronik ihres persönlichen Kampfes, der sie seit Jahrzehnten durch ein Land führt, in dem die einen Hakenkreuze an Wände sprühen und die meisten anderen daran achtlos vorbeilaufen.“, schrieb es der SPIEGEL.

„Wer von Asylflut redet, hat Ebbe im Gehirn“. Irmela Mensah-Schramm nutzt jede Möglichkeit, sich mitzuteilen. Die Angst vor Übergriffen ist dabei ständiger Begleiter. Widerstand in der Gegenwart: Irmela Mensah-Schramm Irmela ist schon längst keine Unbekannte mehr. Auf ihren Reisen wird sie von vielen Menschen erkannt. Sie erhält Zuspruch, wird auf Selfies verewigt und dabei immer wieder ermutigt, weiterzumachen.

Doch es gibt sie, die Schattenseiten. Dann wird Irmela beschimpft, bedroht oder angezeigt. Zuletzt von einem AfD-Kandidaten, den sie am Rande einer Veranstaltung angeblich beleidigt haben soll. Schlappe 600 Euro sollte sie zahlen. Natürlich hat Irmela Widerspruch eingelegt – und gewonnen. Ihr Freispruch wurde im Internet tausendfach gefeiert.

„Zivilcourage darf nicht bestraft, sondern sollte belohnt werden!“, schrieb es Gerhard Rahn, Irmelas Verteidiger, nach der Urteilsverkündung auf Facebook.

Das sieht man allerdings nicht überall so. Vor allem den deutschen Ordnungsbehörden geht Irmelas Engagement zu weit.

Erst im Oktober 2019 wurde sie vom Amtsgericht Eisenach wegen Sachbeschädigung verurteilt: Sie hatte es tatsächlich gewagt, den Schriftzug „Nazi Kiez“ an einer Hauswand mit einem großen roten Herz zu übersprühen. Unfassbar. Als wäre die Sache nicht ohnehin schon beschädigt gewesen.

Es sind diese und ähnliche Anekdoten, die Irmelas Zuhörer*innen meistens fassungslos zurücklassen. Wie kann das sein? Wie kann die deutsche Justiz auf dem rechten Auge blind sein, sich aber gleichzeitig an einer älteren Dame abarbeiten, die unserer Gesellschaft mit ihren „Korrekturen“ tatsächlich einen großen Dienst erweist? Eine ältere Frau, die nicht mehr und nicht weniger tut, als Hassbotschaften aus unserem Alltag zu entfernen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Irmela Mensah-Schramm im Namen des Deutschen Volkes verklagt wird, während rechte Schläger und Mörder teilweise mit geringen Strafen davon kommen. Es ist nicht zu begreifen, dass Irmela Mensah- Schramm als Intensivtäterin gilt, während zur gleichen Zeit Parteien des Landes um ihre Gunst buhlen, sie auf Veranstaltungen einladen, ihr Preise verleihen und sich mit ihr für die Presse ablichten lassen.

Ein Fazit will Irmela nach all den Jahren des aktiven Widerstands nicht ziehen. Es gebe kein Fazit, sagt sie. Außer, dass es eben nie ende. Vielleicht erinnern sich die Menschen irgendwann einmal: „Da war mal eine Frau, die hat gegen die Nazis gekämpft.“

Am 9. Mai hätte Sophie Scholl (1921-1943), die wohl bekannteste Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und wichtige Symbolfigur für Zivilcourage und politisches Engagement im Hitlerdeutschland, ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Anlässlich dieses Ehrentages sollten unter dem Motto „Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl – MV diskutiert über Widerstand“ Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden. Aufgrund von coronabedingten Kontaktbeschränkungen mussten die Termine aber zunächst verschoben werden.

Lediglich die Auftaktveranstaltung – die Eröffnung der Ausstellung „Hass vernichtet!“ von und mit Irmela Mensah-Schramm – fand wie geplant am 1. Mai 2021, wenn auch ohne Publikum, statt.

Die letzte Hoffnung der Veranstalter, die Ausstellung am Pfingstwochenende zumindest im Rahmen von „KunstOffen 2021“ öffentlich zeigen zu können, erfüllte sich nicht, denn auch die Kunstaktion wurde aufgrund aktueller Kontaktbeschränkungen landesweit abgesagt.

Da mit den Beschränkungen seit Monaten zu rechnen war, wurden mit Irmela während ihres Besuches Interviews geführt, Fotos gemacht, Videos rund um die Ausstellungseröffnung gedreht und sogar ein belgisches TV-Team auf dem Projekthof empfangen. Die so entstandenen Inhalte sollen in den nächsten Wochen online zugänglich gemacht werden.

Die Veranstaltungsreihe „Zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl – MV diskutiert über Widerstand“ ist eine Kooperation zwischen dem Peter-Weiss-Haus und acht weiteren Institutionen und Vereinen.

Sind das die Reste von Normalität?

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Das kommt manchmal vor. Aus irgendwelchen Gründen kommt man in irgendeinen Topf, aus dem dann Preisträger gezogen werden. Natürlich freut man sich besonders dann, wenn der Preis eine Sache lobt, die man auch wirklich gut gemacht hat, die einen Sinn hat und Wirkungen.

Das ist uns gerade passiert. Wir bekamen den Courage-Preis der Landesfraktion die Linke in MV überreicht.

Die Auszeichnungszeremonie ist eine Sache für sich, denn man steht mit Abstand und Anstand herum, muss Dinge über sich erfahren, über die man ersteinmal nachdenken muss, Blumen gibt es und ein Bild und schließlich die alternativlose Aufstellung zum Foto. – Diese Zeremonie könnte erneuert werden.

Irgend etwas stimmt nicht – ging mir durch den Kopf. Hier in der Mecklenburgischen Schweiz gibt es doch reichlich Menschen, Projekte, Unternehmungen, die zu dem beitragen, was so allgemein Zusammenhalt und Kultur genannt wird. Letztlich sind es sie, die den Kit dafür liefern, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren. Dass Dörfer Gemeinschaften bleiben und so maches Problem nachbarschaftlich, Schulter an Schulter gewuppt wird; dass „Kunst zu“ und die Kapelle mit Kunst in Remplin z.B. Trefforte sind anstelle der verlassenen und vergessenen Orte, die früher in den Städten Kulturhäuser genannt wurden. Ich weiss, das ist nicht einfach miteinander zu vergleichen.

Worauf ich hinaus will? Schon immer waren Landstriche dann spannend und anziehend, wenn sich gute Arbeit und Solidarität miteinander mit Kulturen der Feste und Künste verbanden. Da konnte schon mal ein Sturm der Veränderung kommen, der Landstrich blieb spannend. Allen in solchen Regionen war das klar! Und dass das klar war, zeigte sich in der Wertschätzung und im Gebrauch und Anspruchnahme dieser „selbstverständlichen Lebensmittel“.

Da, jetzt hab ich es, was da irgendwie nicht stimmt: Unsere eigene Umgangsweise, dann die Art der Verwaltung, die politischen Themen, die wissenschaftlichen Untersuchungen, die öffentlichen Medien haben einen blinden Fleck im Auge wenn es um „selbstverständliche Lebensmittel“ geht – ab und an entdecken wir und sie „Exoten“.

Sind das die Reste von Normalität?

Projektleitung und Mitarbeiter*in zur Stärkung kulturwirtschaftlicher Potenziale

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Ab dem 1. Juni 2021 werden vom KMGNE auf dem Projekthof Karnitz zwei Projektmitarbeiter*in- für das Vorhaben „Stärkung kulturwirtschaftlicher Potenziale in der Pandemie (Mecklenburgische Schweiz und Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) in Vollzeit und Teilzeit befristet bis zum 31. Mai 2022 gesucht.

Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.
Bewerbungsfrist ist der 20. Mai 2021

Wissenschaftliche Mitarbeiter*in für digitalgestützte Bildungslandschaft

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Im Rahmen des Projektes „Zukunftsfähige Daseinsvorsorge und Resilienzfähigkeit in der Mecklenburgischen Schweiz“ wird auf dem Projekthof Karnitz ab dem 01. Juni 2021 eine/n Wissenschaftliche Mitarbeiter*in für digitalgestützte Bildungslandschaft in Teilzeit (35 Stunden) befristet bis zum 31.12.2023 gesucht.
Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.
Bewerbungsfrist ist der 15. Mai 2021

Rezeptwettbewerbe für unser regionales Kochbuch

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Ob süß oder salzig, ob gebacken oder gebraten, von der Uroma oder aus dem 21. Jahrhundert – wir freuen uns über alle Wettbewerbsbeiträge, die sich Gedanken über regionales und saisonales Essen machen und zu schätzen wissen, was die Pflanzen- und Tierwelt der Mecklenburgischen Schweiz für uns bereithält.

Fünf Rezeptwettbewerbe finden in diesem Jahr noch statt. Sie sollen unser regionales Kochbuch füttern und natürlich den/die Gewinner*in ermitteln und mit einem Preis auszeichnen.

Einsendeschluss und Motto der Wettbewerbe

  • 20.03.2021: Winterrezepte
  • 20.05.2021: Resteessen
  • 20.07.2021: Haltbar machen
  • 20.09.2021: Sommer- und Herbstgerichte
  • 20.11.2021: Feste feiern

Kontakt
Anne Mette
Karnitz 9, 17154 Neukalen
E-mail: mette@projekthof-karnitz.de
Telefon: 039956 159012

Natürlich werden auch die Gewinner*innen gekürt und ein Preis verliehen!
Die Preisverleihung findet im Rahmen eines Vorkochens und anschließendem gemeinschaftlichen Essen statt.
Eingeladen sind natürlich die Preisgewinner*innen, deren Freund*innen, Familie und Bekannte und all jene, die die Neugier packt!

  • Fr 30.04. | 18:00 – 20:00 Für den winterlichen Wettbewerb
  • Mi 16.06. | 18:00 – 20:00 Für den Wettbewerb „Reste essen“
  • Mi 04.08. | 18:00 – 20:00 Für den Wettbewerb „Haltbar machen“
  • Do 07.10. | 18:00 – 20:00Für den Wettbewerb „Sommer und Herbst“
  • Mi 08.12. | 18:00 – 20:00 Für den Wettbewerb „Feste feiern“

Die Zivilgesellschaft muss Hand anlegen

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Am 19. März 2021 übergab der Zukunftsrat seine Empfehlungen an die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern. Dieser Rat tagte, analysierte und diskutierte Zukunftsbilder für das Land, und zwar in dem Sinn, dass wahrscheinliche und wünschenswerte Zukunftsvorstellungen die Grundlage für heute notwendige Entscheidungen bieten müssen – wenn, wie es die Pandemie vorführt, Entscheider*innen nicht dem Geschehen hinterherlaufen wollen. Vorsorge ist dafür der Begriff, der ja nicht von ungefähr in der Idee der Daseinsvorsorge vorkommt. Es ist ein spannendes Papier! Zwischen den Zeilen kann man etwas entscheidendes lesen: Die zivile Gesellschaft muss aktiv Hand anlegen, die staatlichen Einrichtungen und auch die politischen Strukturen können es (allein) nicht. Denn wenn mensch sich die Konsequenzen der im Paper beschriebenen Herausforderungen im ganz alltäglichen Leben durchdenkt, erscheinen die Anforderungen an Verwaltungen und politische und wirtschaftliche Entscheidungsgremien höchst anspruchsvoll und umfangreich, um nicht zu sagen komplex. Die dafür notwendigen Kompetenzen wären Fähigkeiten, die regionale und überregionale Resilienz den vielen Veränderungen gegenüber strukturell und im Handeln ermöglichen. Aber die sind nicht einfach da, die müssen erlernt werden. Wird MV ein Lernland? Es wäre nicht schlecht.

Empfehlungen des MV Zukunftsrats

Joachim Borner

Stellenausschreibung – Ernährung und Klimaschutz

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Im Rahmen des Projektes Ernährung und Klimaschutz wird auf dem  Projekthof Karnitz zum nächstmöglichen Termin eine/n Projektmitarbeiter*in Teilzeit (25 Stunden) befristet bis zum 31.12.2021 gesucht.

Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.

Engagement ist Bildung an sich

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Das ist eine der Grundideen, die seit 2015 hinter dem Jugendkreativfestival, das hier in Karnitz für ganz MV offen ist, stehen.

Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs (ESD 2030) Ein Kommentar von Océane Gobin, 09.03.2021

Die Umsetzung die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinigten Nationen ist eine tägliche Frage. Sie zeigen einen „idealen“ Horizont für 2030 auf. Ideal meint einen Horizont, der eine überlebensfähige Entwicklungsperspektive skizziert. Jetzt kommt die Arbeit: Diese Ziele müssen konkret an viele verschiedene Lagen und Bereiche des Lebens angepasst werden. Im Rahmen meiner Arbeit in Karnitz frage ich mich nun täglich, wie ich Projekte entwickeln kann, die im ländlichen Raum, für jungen Menschen, im Sinn der SDGs sinnvoll und kreativ sind. Mir ist es wichtig, die Werte, die in den SDGs impliziert sind, über reale Veränderungen zu vermitteln und dabei gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen und selbst aktiv zu werden. Deswegen ist das Konzept „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) im Mittelpunkt mein Berufsalltags.

2019 hat die UNESCO einen Rahmen für die Implementierung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung nach 2019 (Framework for the implementation of Education for Sustainable Development (ESD) beyond 2019) veröffentlicht. Eine deutsche Übersetzung gab es bislang nicht. So haben zivilgesellschaftliche Einrichtungen das Heft in die Hand genommen – etwas, was in den anstehenden Veränderungen wohl dauerhaft geschehen muss, wenn sie wirksam werden sollen. BildungsCent e.V. (Silke Ramelow), Germanwatch (Stefan Rostock, Daniela Baum) und das Haus der Kulturen der Welt (Eva Stein) haben also eine komprimierte deutsche Übersetzung verfasst.

UNESCOFrameworkESD 2030: Towards achieving the SDGs –UNESCO-Programm BNE 2030
Deutsche Übersetzung –ausschnitthaft und komprimiert

Dieses Dokument zeigt deutlich, dass Bildung und Nachhaltigkeit untrennbar miteinander verbunden ist, dass es alle Generationen betrifft und das alle Aspekte des Menschenlebens eingeschlossen sind. Die politische Dimension ist durch den Satz „BNE in Aktion ist grundsätzlich Bürger*in-sein in Aktion“ ausgedrückt und das ist es, was sogenanntes transformatives Lernen ausmacht. Das Lernen wird hier als lebenslanger Prozess betrachtet, das nicht nur (und gar nicht zuallererst) in formalen Strukturen wie in Schulen stattfindet und das Disruption und kritisches Denken als Elixier braucht. Engagement ist also eine Art Bildung an sich. Hier entfernt sich die Bildung von einem passiven Modell, in welchem ein Lernender Wissen von einem Lehrer bekommt. In eine nachhaltige Gesellschaft werden wohl viele Menschen Akteure ihrer eigenen und gemeinsamen Bildung sein, in dem sie sich für die sich verändernde lokale und globale Welt fit machen. Also ist Lernen im ureigensten Interesse und selbstbestimmt; mensch teilt Kenntnisse und generiert neues Wissen um selbst und mit anderen transformativ Handeln zu können.

Das ist eine der Grundideen, die seit 2015 hinter dem Jugendkreativfestival, das hier in Karnitz für ganz MV offen ist, stehen.

Dafür muss man aus der gewöhnlichen Denkweise gradliniger und konfliktloser Entwicklungen rauskommen. Kinder und Jugendliche „müssen“ zwangsläufig kritik- und innovationsfähig sein und ebensolche Kompetenzen entwickeln, um die Erfahrungen der älteren Generationen ins Licht der Zukunftsanforderungen zu bringen, sie im neuen Kontext des Anthropozäns zu bewerten. „Handwerkliche“ Fähigkeiten, also fehlerarm etwas machen, wird in vielen Schulsystemen kaum unterrichtet. Offensichtlich sind sie aber im Alltag nötig und der Alltag vieler Erwachsener zeigt, dass sie unter den sich verändernden Umständen nicht gekannt und beherrscht werden. Im UNESCO-Text wird BNE deshalb als eine gemeinschaftliche Aufgabe beschrieben, die nicht nur darauf verweist, dass die Resilienzfähigkeit v.a. eine sozialpolitische und erst in zweiter Linie eine individuell-psychologische  ist und dass Erwachsene, die ja die heutigen Entscheider über zukünftige Situationen sind, dringend Zielgruppe von BNE werden müssen.

Da aber liegt eine bedeutende Schwierigkeit für unsere aktuellen Bildungssysteme, die oft überfordert sind. Notwendige tiefe strukturelle Veränderungen fordert die UNESCO, beschreibt leider gar nicht, wie sie aussehen könnten.
In diesem Kontext ist es für Orte wie den Projekthof Karnitz umso wichtiger, sich für die Transformation von BNE selbst einzusetzen und zusammen mit anderen formellen und informellen Akteuren dafür zu arbeiten.
Obwohl die Bevölkerung der Mecklenburgische Schweiz nicht unter die Definition der extremen Armut fällt, ist der Punkt 4.11 für unsere Arbeit sehr relevant. Dieser Punkt wirft die Frage auf, ob BNE ein Luxus ist. Extreme Lebenssituationen machen es auf jeden Fall komplizierter, Bildung überhaupt umzusetzen. Im Sinn von Paolo Freire wollen wir das umdrehen in lebensweltliches Lernen, so wie nachhaltige Entwicklung selbst lebensweltliche Entwicklung ist. Wie im Text erklärt wird, brauchen die Menschen in solchen Situationen transformierende BNE am meisten, um die strukturellen aber auch mentalen Probleme auf Dauer zu lösen. So müssen wir auch die Schwierigkeiten, die die Leute in unserer Nähe erleben, betrachten. Jugendliche auf dem Dorf, zum Beispiel, brauchen informelle Bildungsorte, informelle Lernarrangements, die mit dieser ihrer sich verändernden Lebenswelt zu tun haben. Genau deswegen, muss besonders viel Aufmerksamkeit diesen Jugendlichen gewidmet werden – alte, bornierte Lernangebote und Weltsichten bekommen sie genug.

BNE soll die Kompetenz-Basis nachhaltiger Gesellschaften aufbauen; dafür soll sie verbreitet und daraufhin angepasst werden. Hier in der Mecklenburgische Schweiz sind unsere Herausforderungen in diesem Sinne ziemlich klar: Zugang zu passender BNE schaffen, Partnerschaften zwischen informelle und formelle Bildungsangebote schließen, lokale Probleme über BNE angehen und Gemeinschaften stärken.

Es gibt nichts zu verlieren – So geht Gemeinwohl

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Es scheint fast so, als seien am 12.02.21 Akteur*innen zusammengekommen, die nach Lösungen suchen, anhand derer Gemeinwohl und rentables Wirtschaften miteinander vereint werden kann.

Es scheint fast so, als seien am 12.02.21 Akteur*innen zusammengekommen, die nach Lösungen suchen, anhand derer Gemeinwohl und rentables Wirtschaften miteinander vereint werden kann. Expert*innen erklärten, was zu beachten ist und berichten von Kommunen, die in Kooperation mit Landwirt*innen aus der Umgebung ihre ambitionierten Ziele zur Erreichung der CO2 Neutralität erreichen wollen und von Initiativen, die Millionen Bäume pflanzen. Landwirt*innen, die Bäume pflanzen wollen sind gefragter denn je.

Der Projekthof Karnitz richtete am Freitag, den 12. Februar 2021, eine Einführungsveranstaltung zum Thema Agroforstwirtschaft aus, die von über 80 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland besucht wurde. Was als analoger Bürgersalon für Landwirtschaftsbetriebe aus der Mecklenburgischen Schweiz bereits für April 2020 geplant war und mehrfach verschoben wurde, fand nun coronabedingt als Onlinekonferenz statt.

Kurz vor 16 Uhr: knisternde Vorfreude auf den Austausch zwischen unseren ExpertInnen und Studierenden, LandwirtInnen und AgrarberaterInnen – alle auf der Suche nach einer guten Kombination von Bäumen und Ackerfrüchten für ihre Felder. Die einen haben es mit Trockenheit zu tun, andere suchen nach Lösungen für Ackerflächen mit weniger als 30 Bodenpunkten, wieder weitere wollen mehr Diversität auf ihre Felder und in ihre Agrarunternehmen bringen. Einige sind unserer Einladung gefolgt und haben ihren Standort auf der Karte eingetragen – hier sehen wir förmlich die Bäume auf den Feldern wachsen!

Hätten wir in die Mecklenburgische Schweiz geladen, nur ein Bruchteil der Gäste die Möglichkeit gehabt, sich auf die Reise zu machen – abgesehen davon, dass es nicht sinnvoll wäre, durch ganz Deutschland zu gurken. Alles hat seine Vor- und Nachteile: die TeilnehmerInnen der Veranstaltung müssen sich beim Reinkommen keinen Schnee von den Schuhen klopfen oder mit beschlagener Brille auf die Suche nach einem Sitzplatz machen: mit einem freundlichen Plopp laufen sie in den digitalen Vorraum ein und landen einer neben dem anderen in der Bildergalerie.

In dem Einführungsvortrag von Burkhard Kayser erfahren wir, wie Bäume die Wasserverdunstung verringern, den Wind aufhalten und dass die Reihen in Nord-Süd- Achsen gepflanzt werden sollten, um die Vorteile voll nutzen zu können und Nachteile wie Beschattung so gering wie möglich zu halten – um nur wenige Aspekte zu nennen. Die Agroforstwirtschaft ist eine sehr komplexes System, weshalb im Prinzip für jeden Standort und jeden Landwirtschaftsbetrieb eine ganz individuelle Lösung gefunden werden sollte.

Reiner Guhl aus Perleberg (Prignitz) in Mecklenburg-Vorpommern berichtet im Anschluss von seinen Erfahrungen beim Aufbau seiner ersten Agroforstmaßnahmen, der Pflanzung von zwei Pappelreihen. Ohne künstliche Beregnung würden die Kartoffeln, die er dort in fünfjähriger Fruchtfolge anbaut, nicht mehr gedeihen, sein Acker hat nur 30 Bodenpunkte. Am Anfang seiner Überlegungen stand nicht die Gewinnmarge, sondern die Überzeugung, dass kein Weg daran vorbeiführt, etwas an der bisherigen Methode zu ändern. Der umtriebige Bauer, der bereits seit dreißig Jahren einen Ausbildungsbetrieb leitet und sich den Zukunftsfragen seiner Auszubildenden stellt, will weitermachen: Kastanien, Nussbäume, Sanddorn, Apfelbäume. Was er damit dann irgendwann vermarktet, ob Hackschnitzel oder Sanddornsaft, lässt er auf sich zukommen. „Sie müssen reinwachsen, mitwachsen, das ist wie ein Kunstwerk! Dies ist eine von den vielen Möglichkeiten, wie wir das wettmachen können, was wir jahrzehntelang gemacht haben: Öl und Kohle aus dem Boden befördern – und jetzt wundern wir uns, dass das CO2 nicht im Weltraum verschwindet.“

Im Anschluss daran berichtet Janos Wack von TRIEBWERK, dass Agroforstmaßnahmen für Unternehmen zur Kompensation ihrer Emissionen immer attraktiver werden: so will Nestlé im Rahmen seines Maßnahmenpakets für Klimaneutralität unter anderem 20 Mio. Bäume pflanzen, um CO2-neutral zu werden. Patagonia, ein Hersteller von Outdoorequipment, spendet 1% der Gewinne an eine Stiftung, die den Aufbau von Agroforstprojekten fördert. Auch von einer Crowdfunding-Kampagne, mit der für ein Vorhaben in kurzer Zeit 200.000 Euro von privaten Spendern und regionalen Organisationen gespendet wurden, berichtet er – das Interesse ist da und es ist groß, man muss die Leute nur ansprechen.

Ecosia investiert zwischen 10.000 und 100.000 Euro in Landwirtschaftsbetriebe mit Agroforstvorhaben. Ihr erklärtes Ziel: die wirtschaftliche Rentabilität dieser Systeme zu beweisen und damit mainstream-kompatibel zu machen. Ecosia ist ein Unternehmen, dass Gewinne nicht als Selbstzweck definiert, sondern mit ihnen Gemeinwohl erwirtschaften will. Betriebe haben mit Ecosia also einen Investor an ihrer Seite, der nicht auf den schnellen Euro setzt und der stattdessen weiß, wie lange es dauert, bis der Walnussbaum groß genug ist, um Früchte zu tragen.

Dr. Christian Böhm vom DeFAF (Deutscher Verband für Agroforstwirtschaft) berichtet von beispielhaften Kooperationsmodellen mit Kommunen. Immer mehr Städte und Gemeinden setzen sich ambitionierte Klimaschutzziele, sie müssen ihre Bewohner vor Erosionsschäden schützen und das soziale Leben im ländlichen Raum befördern. Er berichtet von einem Projekt in Brandenburg: hier wurde ein kommunales Heizwerk errichtet, mit dem die Schule sowie weitere Gebäude erwärmt werden. Durch einen attraktiven Holzpreis nur leicht über dem Marktpreis konnten Landwirtschaftsbetriebe aus der Umgebung dafür gewonnen werden, mit Pappelholz das Heizwerk zu beliefern – ein schönes Beispiel für den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten in kommunaler Initiative.

Zum Abschluss stellte Herr Dr. Christian Böhm noch den Szenariengenerator „META-AfS“ vor, ein komplexes Onlinetool, dass er im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität in Cottbus entwickelt hat. Durch Eingabe zahlreicher Kriterien und Faktoren können Landwirtschaftsbetriebe damit ermitteln, welche Agroforstsysteme sich für die eigenen Ackerflächen am besten eignen.

Die zahlreichen Chat-Anfragen der TeilnehmerInnen konnten zum Teil schon während der Vorträge von anwesenden ExpertInnen wie Philipp Gerhardt (www.baumweldwirtschaft.de) beantwortet werden. Burkhard Kayser und Dr. Christian Böhm standen anschließend noch für alle weiteren aufgekommenen Fragen zur Verfügung.

Es war ein Glücksfall, dass gleich mehrere der normalerweise terminlich stark eingebundenen Agroforstexperten ihr fundiertes Wissen während dieser Veranstaltung weitergeben und viele Publikumsfragen direkt „live“ klären konnten. Ein großes Dankeschön an alle hier auch nochmal von unserer Seite.

Über die zahlreichen positiven Rückmeldungen haben wir und auch sehr gefreut und hoffen, dass wir so etwas dazu beitragen konnten, die Agroforstwirtschaft bekannter zu machen.

Präsentation des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V.
Mehr Agroforstwirtschaft 

Präsentation des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V.
Agroforstwirtschaft und Kommunen

Präsentation von TRIEBWERK - Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft Verantwortungsbewusste Initiativen für mehr Agroforstwirtschaft

Präsentation von Burkhard Kayser Agroforstsysteme in Mitteleuropa

Ausführliche Zusammenfassung des Projekthofs Karnitz e.V.