Projektleitung und Mitarbeiter*in zur Stärkung kulturwirtschaftlicher Potenziale

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Ab dem 1. Juni 2021 werden vom KMGNE auf dem Projekthof Karnitz zwei Projektmitarbeiter*in- für das Vorhaben „Stärkung kulturwirtschaftlicher Potenziale in der Pandemie (Mecklenburgische Schweiz und Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) in Vollzeit und Teilzeit befristet bis zum 31. Mai 2022 gesucht.

Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.
Bewerbungsfrist ist der 20. Mai 2021

Wissenschaftliche Mitarbeiter*in für digitalgestützte Bildungslandschaft

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Im Rahmen des Projektes „Zukunftsfähige Daseinsvorsorge und Resilienzfähigkeit in der Mecklenburgischen Schweiz“ wird auf dem Projekthof Karnitz ab dem 01. Juni 2021 eine/n Wissenschaftliche Mitarbeiter*in für digitalgestützte Bildungslandschaft in Teilzeit (35 Stunden) befristet bis zum 31.12.2023 gesucht.
Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.
Bewerbungsfrist ist der 15. Mai 2021

Rezeptwettbewerbe für unser regionales Kochbuch

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Ob süß oder salzig, ob gebacken oder gebraten, von der Uroma oder aus dem 21. Jahrhundert – wir freuen uns über alle Wettbewerbsbeiträge, die sich Gedanken über regionales und saisonales Essen machen und zu schätzen wissen, was die Pflanzen- und Tierwelt der Mecklenburgischen Schweiz für uns bereithält.

Fünf Rezeptwettbewerbe finden in diesem Jahr noch statt. Sie sollen unser regionales Kochbuch füttern und natürlich den/die Gewinner*in ermitteln und mit einem Preis auszeichnen.

Einsendeschluss und Motto der Wettbewerbe

  • 20.03.2021: Winterrezepte
  • 20.05.2021: Resteessen
  • 20.07.2021: Haltbar machen
  • 20.09.2021: Sommer- und Herbstgerichte
  • 20.11.2021: Feste feiern

Kontakt
Anne Mette
Karnitz 9, 17154 Neukalen
E-mail: mette@projekthof-karnitz.de
Telefon: 039956 159012

Natürlich werden auch die Gewinner*innen gekürt und ein Preis verliehen!
Die Preisverleihung findet im Rahmen eines Vorkochens und anschließendem gemeinschaftlichen Essen statt.
Eingeladen sind natürlich die Preisgewinner*innen, deren Freund*innen, Familie und Bekannte und all jene, die die Neugier packt!

  • Fr 30.04. | 18:00 – 20:00 Für den winterlichen Wettbewerb
  • Mi 16.06. | 18:00 – 20:00 Für den Wettbewerb „Reste essen“
  • Mi 04.08. | 18:00 – 20:00 Für den Wettbewerb „Haltbar machen“
  • Do 07.10. | 18:00 – 20:00Für den Wettbewerb „Sommer und Herbst“
  • Mi 08.12. | 18:00 – 20:00 Für den Wettbewerb „Feste feiern“

Die Zivilgesellschaft muss Hand anlegen

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Am 19. März 2021 übergab der Zukunftsrat seine Empfehlungen an die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern. Dieser Rat tagte, analysierte und diskutierte Zukunftsbilder für das Land, und zwar in dem Sinn, dass wahrscheinliche und wünschenswerte Zukunftsvorstellungen die Grundlage für heute notwendige Entscheidungen bieten müssen – wenn, wie es die Pandemie vorführt, Entscheider*innen nicht dem Geschehen hinterherlaufen wollen. Vorsorge ist dafür der Begriff, der ja nicht von ungefähr in der Idee der Daseinsvorsorge vorkommt. Es ist ein spannendes Papier! Zwischen den Zeilen kann man etwas entscheidendes lesen: Die zivile Gesellschaft muss aktiv Hand anlegen, die staatlichen Einrichtungen und auch die politischen Strukturen können es (allein) nicht. Denn wenn mensch sich die Konsequenzen der im Paper beschriebenen Herausforderungen im ganz alltäglichen Leben durchdenkt, erscheinen die Anforderungen an Verwaltungen und politische und wirtschaftliche Entscheidungsgremien höchst anspruchsvoll und umfangreich, um nicht zu sagen komplex. Die dafür notwendigen Kompetenzen wären Fähigkeiten, die regionale und überregionale Resilienz den vielen Veränderungen gegenüber strukturell und im Handeln ermöglichen. Aber die sind nicht einfach da, die müssen erlernt werden. Wird MV ein Lernland? Es wäre nicht schlecht.

Empfehlungen des MV Zukunftsrats

Joachim Borner

Stellenausschreibung – Ernährung und Klimaschutz

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Im Rahmen des Projektes Ernährung und Klimaschutz wird auf dem  Projekthof Karnitz zum nächstmöglichen Termin eine/n Projektmitarbeiter*in Teilzeit (25 Stunden) befristet bis zum 31.12.2021 gesucht.

Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.

Engagement ist Bildung an sich

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Das ist eine der Grundideen, die seit 2015 hinter dem Jugendkreativfestival, das hier in Karnitz für ganz MV offen ist, stehen.

Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs (ESD 2030) Ein Kommentar von Océane Gobin, 09.03.2021

Die Umsetzung die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinigten Nationen ist eine tägliche Frage. Sie zeigen einen „idealen“ Horizont für 2030 auf. Ideal meint einen Horizont, der eine überlebensfähige Entwicklungsperspektive skizziert. Jetzt kommt die Arbeit: Diese Ziele müssen konkret an viele verschiedene Lagen und Bereiche des Lebens angepasst werden. Im Rahmen meiner Arbeit in Karnitz frage ich mich nun täglich, wie ich Projekte entwickeln kann, die im ländlichen Raum, für jungen Menschen, im Sinn der SDGs sinnvoll und kreativ sind. Mir ist es wichtig, die Werte, die in den SDGs impliziert sind, über reale Veränderungen zu vermitteln und dabei gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen und selbst aktiv zu werden. Deswegen ist das Konzept „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) im Mittelpunkt mein Berufsalltags.

2019 hat die UNESCO einen Rahmen für die Implementierung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung nach 2019 (Framework for the implementation of Education for Sustainable Development (ESD) beyond 2019) veröffentlicht. Eine deutsche Übersetzung gab es bislang nicht. So haben zivilgesellschaftliche Einrichtungen das Heft in die Hand genommen – etwas, was in den anstehenden Veränderungen wohl dauerhaft geschehen muss, wenn sie wirksam werden sollen. BildungsCent e.V. (Silke Ramelow), Germanwatch (Stefan Rostock, Daniela Baum) und das Haus der Kulturen der Welt (Eva Stein) haben also eine komprimierte deutsche Übersetzung verfasst.

UNESCOFrameworkESD 2030: Towards achieving the SDGs –UNESCO-Programm BNE 2030
Deutsche Übersetzung –ausschnitthaft und komprimiert

Dieses Dokument zeigt deutlich, dass Bildung und Nachhaltigkeit untrennbar miteinander verbunden ist, dass es alle Generationen betrifft und das alle Aspekte des Menschenlebens eingeschlossen sind. Die politische Dimension ist durch den Satz „BNE in Aktion ist grundsätzlich Bürger*in-sein in Aktion“ ausgedrückt und das ist es, was sogenanntes transformatives Lernen ausmacht. Das Lernen wird hier als lebenslanger Prozess betrachtet, das nicht nur (und gar nicht zuallererst) in formalen Strukturen wie in Schulen stattfindet und das Disruption und kritisches Denken als Elixier braucht. Engagement ist also eine Art Bildung an sich. Hier entfernt sich die Bildung von einem passiven Modell, in welchem ein Lernender Wissen von einem Lehrer bekommt. In eine nachhaltige Gesellschaft werden wohl viele Menschen Akteure ihrer eigenen und gemeinsamen Bildung sein, in dem sie sich für die sich verändernde lokale und globale Welt fit machen. Also ist Lernen im ureigensten Interesse und selbstbestimmt; mensch teilt Kenntnisse und generiert neues Wissen um selbst und mit anderen transformativ Handeln zu können.

Das ist eine der Grundideen, die seit 2015 hinter dem Jugendkreativfestival, das hier in Karnitz für ganz MV offen ist, stehen.

Dafür muss man aus der gewöhnlichen Denkweise gradliniger und konfliktloser Entwicklungen rauskommen. Kinder und Jugendliche „müssen“ zwangsläufig kritik- und innovationsfähig sein und ebensolche Kompetenzen entwickeln, um die Erfahrungen der älteren Generationen ins Licht der Zukunftsanforderungen zu bringen, sie im neuen Kontext des Anthropozäns zu bewerten. „Handwerkliche“ Fähigkeiten, also fehlerarm etwas machen, wird in vielen Schulsystemen kaum unterrichtet. Offensichtlich sind sie aber im Alltag nötig und der Alltag vieler Erwachsener zeigt, dass sie unter den sich verändernden Umständen nicht gekannt und beherrscht werden. Im UNESCO-Text wird BNE deshalb als eine gemeinschaftliche Aufgabe beschrieben, die nicht nur darauf verweist, dass die Resilienzfähigkeit v.a. eine sozialpolitische und erst in zweiter Linie eine individuell-psychologische  ist und dass Erwachsene, die ja die heutigen Entscheider über zukünftige Situationen sind, dringend Zielgruppe von BNE werden müssen.

Da aber liegt eine bedeutende Schwierigkeit für unsere aktuellen Bildungssysteme, die oft überfordert sind. Notwendige tiefe strukturelle Veränderungen fordert die UNESCO, beschreibt leider gar nicht, wie sie aussehen könnten.
In diesem Kontext ist es für Orte wie den Projekthof Karnitz umso wichtiger, sich für die Transformation von BNE selbst einzusetzen und zusammen mit anderen formellen und informellen Akteuren dafür zu arbeiten.
Obwohl die Bevölkerung der Mecklenburgische Schweiz nicht unter die Definition der extremen Armut fällt, ist der Punkt 4.11 für unsere Arbeit sehr relevant. Dieser Punkt wirft die Frage auf, ob BNE ein Luxus ist. Extreme Lebenssituationen machen es auf jeden Fall komplizierter, Bildung überhaupt umzusetzen. Im Sinn von Paolo Freire wollen wir das umdrehen in lebensweltliches Lernen, so wie nachhaltige Entwicklung selbst lebensweltliche Entwicklung ist. Wie im Text erklärt wird, brauchen die Menschen in solchen Situationen transformierende BNE am meisten, um die strukturellen aber auch mentalen Probleme auf Dauer zu lösen. So müssen wir auch die Schwierigkeiten, die die Leute in unserer Nähe erleben, betrachten. Jugendliche auf dem Dorf, zum Beispiel, brauchen informelle Bildungsorte, informelle Lernarrangements, die mit dieser ihrer sich verändernden Lebenswelt zu tun haben. Genau deswegen, muss besonders viel Aufmerksamkeit diesen Jugendlichen gewidmet werden – alte, bornierte Lernangebote und Weltsichten bekommen sie genug.

BNE soll die Kompetenz-Basis nachhaltiger Gesellschaften aufbauen; dafür soll sie verbreitet und daraufhin angepasst werden. Hier in der Mecklenburgische Schweiz sind unsere Herausforderungen in diesem Sinne ziemlich klar: Zugang zu passender BNE schaffen, Partnerschaften zwischen informelle und formelle Bildungsangebote schließen, lokale Probleme über BNE angehen und Gemeinschaften stärken.

Es gibt nichts zu verlieren – So geht Gemeinwohl

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Es scheint fast so, als seien am 12.02.21 Akteur*innen zusammengekommen, die nach Lösungen suchen, anhand derer Gemeinwohl und rentables Wirtschaften miteinander vereint werden kann.

Es scheint fast so, als seien am 12.02.21 Akteur*innen zusammengekommen, die nach Lösungen suchen, anhand derer Gemeinwohl und rentables Wirtschaften miteinander vereint werden kann. Expert*innen erklärten, was zu beachten ist und berichten von Kommunen, die in Kooperation mit Landwirt*innen aus der Umgebung ihre ambitionierten Ziele zur Erreichung der CO2 Neutralität erreichen wollen und von Initiativen, die Millionen Bäume pflanzen. Landwirt*innen, die Bäume pflanzen wollen sind gefragter denn je.

Der Projekthof Karnitz richtete am Freitag, den 12. Februar 2021, eine Einführungsveranstaltung zum Thema Agroforstwirtschaft aus, die von über 80 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland besucht wurde. Was als analoger Bürgersalon für Landwirtschaftsbetriebe aus der Mecklenburgischen Schweiz bereits für April 2020 geplant war und mehrfach verschoben wurde, fand nun coronabedingt als Onlinekonferenz statt.

Kurz vor 16 Uhr: knisternde Vorfreude auf den Austausch zwischen unseren ExpertInnen und Studierenden, LandwirtInnen und AgrarberaterInnen – alle auf der Suche nach einer guten Kombination von Bäumen und Ackerfrüchten für ihre Felder. Die einen haben es mit Trockenheit zu tun, andere suchen nach Lösungen für Ackerflächen mit weniger als 30 Bodenpunkten, wieder weitere wollen mehr Diversität auf ihre Felder und in ihre Agrarunternehmen bringen. Einige sind unserer Einladung gefolgt und haben ihren Standort auf der Karte eingetragen – hier sehen wir förmlich die Bäume auf den Feldern wachsen!

Hätten wir in die Mecklenburgische Schweiz geladen, nur ein Bruchteil der Gäste die Möglichkeit gehabt, sich auf die Reise zu machen – abgesehen davon, dass es nicht sinnvoll wäre, durch ganz Deutschland zu gurken. Alles hat seine Vor- und Nachteile: die TeilnehmerInnen der Veranstaltung müssen sich beim Reinkommen keinen Schnee von den Schuhen klopfen oder mit beschlagener Brille auf die Suche nach einem Sitzplatz machen: mit einem freundlichen Plopp laufen sie in den digitalen Vorraum ein und landen einer neben dem anderen in der Bildergalerie.

In dem Einführungsvortrag von Burkhard Kayser erfahren wir, wie Bäume die Wasserverdunstung verringern, den Wind aufhalten und dass die Reihen in Nord-Süd- Achsen gepflanzt werden sollten, um die Vorteile voll nutzen zu können und Nachteile wie Beschattung so gering wie möglich zu halten – um nur wenige Aspekte zu nennen. Die Agroforstwirtschaft ist eine sehr komplexes System, weshalb im Prinzip für jeden Standort und jeden Landwirtschaftsbetrieb eine ganz individuelle Lösung gefunden werden sollte.

Reiner Guhl aus Perleberg (Prignitz) in Mecklenburg-Vorpommern berichtet im Anschluss von seinen Erfahrungen beim Aufbau seiner ersten Agroforstmaßnahmen, der Pflanzung von zwei Pappelreihen. Ohne künstliche Beregnung würden die Kartoffeln, die er dort in fünfjähriger Fruchtfolge anbaut, nicht mehr gedeihen, sein Acker hat nur 30 Bodenpunkte. Am Anfang seiner Überlegungen stand nicht die Gewinnmarge, sondern die Überzeugung, dass kein Weg daran vorbeiführt, etwas an der bisherigen Methode zu ändern. Der umtriebige Bauer, der bereits seit dreißig Jahren einen Ausbildungsbetrieb leitet und sich den Zukunftsfragen seiner Auszubildenden stellt, will weitermachen: Kastanien, Nussbäume, Sanddorn, Apfelbäume. Was er damit dann irgendwann vermarktet, ob Hackschnitzel oder Sanddornsaft, lässt er auf sich zukommen. „Sie müssen reinwachsen, mitwachsen, das ist wie ein Kunstwerk! Dies ist eine von den vielen Möglichkeiten, wie wir das wettmachen können, was wir jahrzehntelang gemacht haben: Öl und Kohle aus dem Boden befördern – und jetzt wundern wir uns, dass das CO2 nicht im Weltraum verschwindet.“

Im Anschluss daran berichtet Janos Wack von TRIEBWERK, dass Agroforstmaßnahmen für Unternehmen zur Kompensation ihrer Emissionen immer attraktiver werden: so will Nestlé im Rahmen seines Maßnahmenpakets für Klimaneutralität unter anderem 20 Mio. Bäume pflanzen, um CO2-neutral zu werden. Patagonia, ein Hersteller von Outdoorequipment, spendet 1% der Gewinne an eine Stiftung, die den Aufbau von Agroforstprojekten fördert. Auch von einer Crowdfunding-Kampagne, mit der für ein Vorhaben in kurzer Zeit 200.000 Euro von privaten Spendern und regionalen Organisationen gespendet wurden, berichtet er – das Interesse ist da und es ist groß, man muss die Leute nur ansprechen.

Ecosia investiert zwischen 10.000 und 100.000 Euro in Landwirtschaftsbetriebe mit Agroforstvorhaben. Ihr erklärtes Ziel: die wirtschaftliche Rentabilität dieser Systeme zu beweisen und damit mainstream-kompatibel zu machen. Ecosia ist ein Unternehmen, dass Gewinne nicht als Selbstzweck definiert, sondern mit ihnen Gemeinwohl erwirtschaften will. Betriebe haben mit Ecosia also einen Investor an ihrer Seite, der nicht auf den schnellen Euro setzt und der stattdessen weiß, wie lange es dauert, bis der Walnussbaum groß genug ist, um Früchte zu tragen.

Dr. Christian Böhm vom DeFAF (Deutscher Verband für Agroforstwirtschaft) berichtet von beispielhaften Kooperationsmodellen mit Kommunen. Immer mehr Städte und Gemeinden setzen sich ambitionierte Klimaschutzziele, sie müssen ihre Bewohner vor Erosionsschäden schützen und das soziale Leben im ländlichen Raum befördern. Er berichtet von einem Projekt in Brandenburg: hier wurde ein kommunales Heizwerk errichtet, mit dem die Schule sowie weitere Gebäude erwärmt werden. Durch einen attraktiven Holzpreis nur leicht über dem Marktpreis konnten Landwirtschaftsbetriebe aus der Umgebung dafür gewonnen werden, mit Pappelholz das Heizwerk zu beliefern – ein schönes Beispiel für den Aufbau von regionalen Wertschöpfungsketten in kommunaler Initiative.

Zum Abschluss stellte Herr Dr. Christian Böhm noch den Szenariengenerator „META-AfS“ vor, ein komplexes Onlinetool, dass er im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität in Cottbus entwickelt hat. Durch Eingabe zahlreicher Kriterien und Faktoren können Landwirtschaftsbetriebe damit ermitteln, welche Agroforstsysteme sich für die eigenen Ackerflächen am besten eignen.

Die zahlreichen Chat-Anfragen der TeilnehmerInnen konnten zum Teil schon während der Vorträge von anwesenden ExpertInnen wie Philipp Gerhardt (www.baumweldwirtschaft.de) beantwortet werden. Burkhard Kayser und Dr. Christian Böhm standen anschließend noch für alle weiteren aufgekommenen Fragen zur Verfügung.

Es war ein Glücksfall, dass gleich mehrere der normalerweise terminlich stark eingebundenen Agroforstexperten ihr fundiertes Wissen während dieser Veranstaltung weitergeben und viele Publikumsfragen direkt „live“ klären konnten. Ein großes Dankeschön an alle hier auch nochmal von unserer Seite.

Über die zahlreichen positiven Rückmeldungen haben wir und auch sehr gefreut und hoffen, dass wir so etwas dazu beitragen konnten, die Agroforstwirtschaft bekannter zu machen.

Präsentation des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V.
Mehr Agroforstwirtschaft 

Präsentation des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V.
Agroforstwirtschaft und Kommunen

Präsentation von TRIEBWERK - Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft Verantwortungsbewusste Initiativen für mehr Agroforstwirtschaft

Präsentation von Burkhard Kayser Agroforstsysteme in Mitteleuropa

Ausführliche Zusammenfassung des Projekthofs Karnitz e.V.

Tobrügg. Reet. Falafel. – Come un’ora fa

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Die Erfahrung, dass die Distanz zum Plattdeutschen für viele in M-V Heimische womöglich ebenso groß oder größer ist, als etwa zum Englischen und anderen populären Kulturen, könnte durch die …

„Ik weet mi nich to laaten,
Mi is de Dag to drang,
De Nacht will mi nich faaten,
De Slaap is Övergang.

Mi is, as weer ik draagen
Un dräg doch sülven swaar;
Ik laat nich naa mit Fraagen
Un swieg doch ganz un gaar.

Müch bit ton Heven roopen —
Un daalschree’n in de Eer
Un finn doch nich tohoopen
De Hartsläg un de Wöör.

Mi is von Leev un Leven
De Dag so drang un hooch:
Hier is mien Höll, mien Heven,
Un Paradies genoog.“[1] 

Bitte einen schwarzen Tee? — … — Dort aus dem Sud in der Blechkanne. — Oh,… Wir machen nur grünen Tee, Apfeltee. Schwarztee, das machen dir die Türken und die Kurden. — Woher kommen Sie? — Armenien, habe das Dönergeschäft hier gelernt. In Armenien machen wir Fladen, direkt am Feuer. — In Armenien… … habt ihr die Duduk [2]. — Ja, jeder kennt Duduk, das war auch in dem Film, Gladiator. Mein Sohn hat eine im Internet bestellt, er sagt, bin ich Armenier, lerne ich Duduk. Bist du Musiklehrer oder was? — Nein, ich interessiere mich. Besser als die Konflikte. — Ja, Musik ist die gemeinsame Sprache der Welt.

Freundschaft ist, jetzt in die Ferne blickend zu schweigen. Unter dem Dach aus Baumarkt-Reet. Hat die Duduk Heimat in das neue Land gebracht, hinzugefügt?

Eine Täuschung, die Zeit! Aufwand und Kraft, das Holz zum Klingen zu bringen, den Handschmeichler. Schoß der Mutter, Atem des Alten, Geborgenheit. Heimat  — ach… — Unter der Musik liegt ein Klangteppich des Kaliforniers Hans Zimmer, geschrieben für einen Dreh in Marokko.[3]

Duduk schweigend. Aus Reet das Mundstück. Reidpiep. Riedfläut.[4] Der Anfang ein Wort. Zwischen den Worten Heimat. Die geträumte Braut ein Land. Liebe oder Kampf. Wullt dat een du faaten muß d´ dat anner laaten[5]. Der erste Ton teilt die Welt. Zähl bis 4.[6] Schließ’ deine Augen zu. Lichtgeschwindigkeit geträumt. Der Leib braucht ein Halbjahr. 5 Kurszeiten.[7] Zähl bis 4, nochmal. Dann ein Leben lang. — Ach…

Dieser Ton heilt die Welt. 87 Jahre Leben lang. Wodka. Das Bild des Helden unter dem Eis. Ffffffüuüuüuüuüuüu….hhhh

Tobrügg hat keinen Suchmaschineneintrag. Sprich es aus. In Teterow, inmitten des Landes, im  Buchgeschäft der Stadt, in der Kiste vor dem Laden, unscheinbar, findet sich das Wort. Die Brücke aufeinander zu: Neu sprechen, neu hören, neu beginnen. Dem Klang des Herzens folgen – im Osten, hier = nah, mittel und fern. Neu beginnen. Die Warmherzigkeit der Sprache, Klipp- und Klarheit schafft Vertrauen. Gemeinsam ein Gespräch entwerfen, beginnen – mit Wortmelodien, die Liebe und Herz (auch den Schmerz, jetzt Dreivierteltakt) schon in sich tragen.

Die Erfahrung, dass die Distanz zum Plattdeutschen für viele in M-V Heimische womöglich ebenso groß oder größer ist, als etwa zum Englischen und anderen populären Kulturen, die Vergleichbarkeit des persönlichen Aufwandes zur Annäherung an historisches (…plattdeutsches) und zeitgenössisches kulturelles Anderssein, könnte durch die Verbindung beider Erlebnisbereiche im Plattdeutsch-Neu-Lernen Chance sein, Selbst-Bewusstsein und Verständnis für das Fremde auf demselben Weg zu finden. Im gemeinsamen Verstehen (lernen) entstehen gemeinsame Bilder.

Mit der ersten Linie hört das Denken auf. Handbewegungen in Echtzeit. Unbedacht. Flüsternd.
In 67 Linien ein Tier. Am Postmoor grasend. Schlendernd verschwindend: Christian Kabuß:  Sien Kauh. Ausstellung Wege zur Schlichtheit 16: Hishiryo – das Denken aus dem Grunde des Nicht-Denkens, 30.05.2020-26.07.2020, Eröffnung am 30.05.2020 um 14 Uhr. Ein Heimatbild in fernöstlichem Kontext in einem ehemaligen Gutsschloss und -park, dessen Umgestaltung zum japanischen Kulturzentrum und Hain der mecklenburgisch-japanische (Musik-)Maler (und Komponist) Prof. Heinrich Johann Radeloff der Liebe seines Lebens widmete: Mitsuko, die japanische Gedichte wie weit tragende Tonfolgen zu lesen versteht. Die Stimme der Freundin nimmt sie auf, die Gitarre mischt sich ein. – Margot jedoch, in Schlesien geboren, singt mit mit voller Kehle vom Schlachtefest bei Herrn Pastuurn.

Mit dem ersten Ton hört das Denken auf. B. trägt zur Klavierbegleitung vor. ___/\..\/__ …

Musik lässt sich in ihrer notierbaren Struktur, die für Tonhöhen, Lautstärken, zeitliche Parameter und all ihre Zusammenhänge steht, reproduzierbar nach einem Regelwerk und dabei verallgemeinernd, für viele gültig, darstellen. Eine bildhaft beeindruckende Musiknotation.
Iannis Xenakis hat so komponiert und gebaut. — Nein, sagt B., die aus China stammt, Musik ist ist nicht berechenbar, ist immer pures Gefühl des Einzelnen. — Die Vielfältigkeit der Künstler-Bildsprachen eines Videoprojektes zum Beethovenjahr[8] spricht für diese Variabilität und Unfassbarkeit, Erhabenheit, da stimme ich zu. Das gemeinsame Bejahen dieser wunderbaren Animationen, der Einklang mit dem Betrachter-Hörer, den viele der Intuitionen schaffen, lässt das Gemeinsame in Musik und Bild aufscheinen, das Menschen nah wie fern im Osten verbindet.

Ohne Kenntnis des Liedtextes, auch die Sprache als Musik wahrnehmend, habe ich dem chinesischen Chanson eine sanft-eindrückliche Form gegeben, die zwar auf  Struktur-vorstellungen von Musik beruht. Die (unbewusste) Ausdrucksbewegung der Hand geht jedoch  darüber hinaus – schwebend, eintauchend, wie unter Wasser, wurden die Grundzusammenhänge malerisch entwickelt. China Underwater. — Es ist noch nicht entschieden, sagt B. — Ich male weiter!  Aufstrebende und absteigende Klänge, punktuelle Einschübe, lang gehaltene Endsilben: jetzt mit chinesischem Pinsel Figur für Figur in einem Zug. Auf grobem Papier. Aus musikalischen Figuren werden Zeichen, die Einvernehmen schaffen wollen; erlernbar, vertiefbar wären.

Einvernehmen erleben, Synthesen vereinbaren. Freundschaften bilden: Musikmalerei ist ein Experimentierfeld. Luai bringt Sicht aus dem Irak. Iris knüpft frische neue Hoffnung ein. Gemeinsam feiern wir ein Fest.

— Un denk eins an Platt, ook Platt kann dat. Das Fremd gewordene liefert durch die über Jahrhunderte in Einvernehmen wahr gewordenen Wortbedeutungen, einen Code mit, sich über Gefühltes (Herzwärme, Bildhaftigkeit) zu einigen. Şiyar, häb de Knie, danz mit mi. Zhang Hui, sät di dal, sing einmal. Rodrigo, nimm de Fläut, Sang is …hüüt.

Platt snacken, [mit Abdulaziz] Falafel äten. Musik malen.

Um denen Mut zu machen, die erste Schritte auf die Kunst zugehen, erzähle ich manchmal mit Niklas Luhmann eine Schöpfungsgeschichte für die Malerei: Die erste Linie teilt die Leinwand, die Welt, trifft die erste Unterscheidung, erzeugt schon das Bild.[9] Dann gilt es, „nur noch“ darauf zu reagieren, das Werk zu entwickeln, sich auf eine Kommunikation in Bildlichkeit hinein einzulassen. Eine Versicherung: Wege sind nie verloren, sondern machen – im Zurück-Finden, im Sich-Verlieren – das Werk reich.

991[10] kennt vieler solcher [nicht] verlorenen Wege. Berührungen. Geschichten, die weiterzugehen versprechen: Das Wandbild im Senioren-Wohnpark nach der Zeit der Kontaktbeschränkung, die Bank am Hinkelstein für die Begegnung im Sommer, Konzert mit dem Jazzprojekt Hundehagen. Deutsche Abendlieder in fernen Sprachen, vice versa. Ein Kinderfest mit Drehorgel. Dige Dire,  Come un’ora fa.[11]Bill Wells einladen. Mit Johann schnacken, so lange es geht.

Es wird das [nicht] Verlorene sein, das Geschichten fortspinnt. So ist 991 Geschichte.

Kontakt
Christian Kabuß
kontakt@pianodornement.de

Christian Kabuß, 11.02.2021

[1]Johann D. Bellmann: Wo denn hin mit mi? In: Inseln ünner den Wind. Gedichte un Leeder, Rostock 1995, S. 10; Bellmann strebt ausgehend von seiner Nindorfer Mundart ein nordniedersächsisches Platt an (ebd. S. 188). Die Wahl des Gedichtes hängt mit dem Fundort einer Remittende im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns zusammen, mit enger Geschichts- und Sprachverwandtschaft und schließlich der Sichtweise, die dieser Text entwickelt. Auch das im Titel verwendete „Tobrügg“ ist aus diesem Kontext, s. Fußnote 6

[2]Typisch armenische Kurzoboe mit großem Doppelrohrblatt

[3]S. https://www.youtube.com/watch?v=iK5Yh85Hbcc, abgerufen am 30.11.202

[4]Versuche in Platt, vgl. Englisch reedpipe, dort aber doppeldeutig für auch für Orgelpfeife.

[5]Johann D. Bellmann: Keen Tobrügg, a.a.O. S. 165

[6]Chinesisches Kinderlied

[7]S. https://www.musikschule-basel.ch/de/musik-der-kulturen/kurse/3095x.html, abgerufen am 17.11.2020

[8]S. https://www.ndr.de/ndrkultur/Medienkuenstler-visualisieren-Beethovens-Musik,augenaufbeethoven100.html, abgerufen am 25.Oktober 2020

[9]Nach Niklas Luhmann, Frederick D. Bunsen, Dirk Baecker: Unbeobachtbare Welt. Über Kunst und Architektur, Bielefeld 1990

[10]Code für das hier vorgestellte Musikmalerei-Projekt 9 Lieder – 9 Tafeln – 1 Fest. Ein Netzwerk aus Musik und Freundschaft. Oft auch #9c9b1f (ein Farbcode) für 9 Chansons, Canzoni, Choräle – 9 Bilder – 1 Fest.

[11]Lieder aus Afghanistan und Italien

 

Wat giff’t to äten?

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Unter dem Titel: „So kochen wir in der Mecklenburgischen Schweiz“ möchten wir Rezepte, Geschichten, Historien und Zukunftsvisionen für die Ernährung in unserer Region darstellen und rufen alle Interessierten dazu auf, uns ihre Beiträge zu senden.

Dass wir in Karnitz unser Klimafarming vorantreiben, ist sicherlich schon einigen bekannt. Nun kommt in diesem Jahr auch noch vermehrt die Verarbeitung unserer und auch der regionalen Produkte hinzu. Es gibt viele schöne Geschichten, wenn man nach Lieblingsgerichten und Familientraditionen in Sachen Esskultur stöbert. Auch Kunst und Kulinarik passen wunderbar zusammen.

All das wollen wir als Jahresprojekt 2021 in einem Kochbuch zusammenbringen: Unter dem Titel: „So kochen wir in der Mecklenburgischen Schweiz“ möchten wir Rezepte, Geschichten, Historien und Zukunftsvisionen für die Ernährung in unserer Region darstellen und rufen alle Interessierten dazu auf, uns ihre Beiträge zu senden.

Karnitz hat für hierfür sozusagen als „Promo“ einen „Kohlkalender“ mit Rezepten für die Mecklenburgische Schweiz veröffentlicht, der hier  anzusehen und auch herunterzuladen ist.

Einige Exemplare sind auch noch über und können bei uns bestellt werden.

Das Kochbuch wartet dieses Jahr stetig darauf, mit Euren Rezepten und Ideen gefüllt zu werden. Was gibt das Land her? Womit können wir uns selber versorgen? Was wächst in Ihrem Garten und in der freien Natur? Traditionelle und neue Tipps&Tricks: mit und ohne Strom, roh oder gekocht, gebacken, getrocknet oder eingemacht. Mit Bezugsquellen in der Region: wo man Hofläden, Gärtnereien, Dorfläden, Einkaufsgemeinschaften, Vermarktungsinitiativen und Tauschbörsen findet. Wir wollen das verborgene Wissen aufdecken und im Kochbuch miteinander teilen.

Das schließt internationale Rezepte (so oft die Rückfrage) selbstverständlich mit ein. Der französische Crêpe mit dem Mehl des Müllers in Altkalen passt doch wunderbar zu Karnitzer Mirabellenmarmelade. Und die chilenisch-peruanische Fischsuppe Ceviche haben wir letzten Sommer mit Saiblingen aus dem Kummerower See genossen.

Der Bonus: Jeden Monat wird auch hier der/die Einsender*in eines ausgewählten Rezeptes zu einer Verköstigung seines/ihres Gerichtes nach Karnitz eingeladen, zu der Freunde und Nachbarn auch willkommen sind.
Dreimonatlich gibt es zudem Rezeptwettbewerbe, über die wir noch punktuell informieren werden.

Einsendeschluss für Ihr persönliches Wintergericht 2020/21 ist der 20.03.

Schicken Sie Ihren Rezept und gerne auch die Geschichte des Rezeptes per Post, per Mail oder rufen Sie an:
Anne Mette
Karnitz 9, 17154 Neukalen
E-mail: mette@projekthof-karnitz.de
Telefon: 039956 159012

 

Anne Mette, 03.02.2021

Heimat ist da, wo hinterm Netto ist

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Unverstellte Aussichten, bewaldete Endmoränenhügel, Dorfteiche, Eichenalleen, Seen- und Moorlandschaften, all dies gehört zur Mecklenburgische Schweiz, aber nicht nur. Titel wie „Heimat ist da, wo hinterm Netto ist“ oder „Neubrandenburg: Urlaub ohne Anspruch“ machten schnell klar, dass es beim ersten Poetry Slam am 18.09. auf dem Projekthof Karnitz nicht um Folklore für das Tourismusprospekt und die Beschwörung ländlichen Idylls in der Mecklenburgischen Schweiz ging. Neben Wischen, Köh und Böhm gibt es hier eben auch die besten Plattenbauten der 70er, 80er und 90er und Agrarindustriewüsten. Bei den insgesamt siebzehn Bühnenauftritten wurde in jeweils ganz eigenem, persönlichen Ton von den Erinnerungen und Begegnungen erzählt, die ein Leben ausmachen und unterschiedliche Leben miteinander verbinden. Von gefundenen und zerbrochenen Freundschaften und Lieben, von wiedergefundenen Kindheitserinnerungen und politischen Umbrüchen war die Rede, mal in Reimform, mal als Romanauszug, und davon wie all diese Stränge von hier Geborenen, Zugezogenen und hierher Geflüchteten mal mehr, mal weniger zufällig hier  zusammenkamen und zusammenkommen. Die zwölf bis zweiundsiebzig Jahre alten Teilnehmer*innen teilten Erlebnissen ihrer Kindheit, des Erwachsen und Älter werdens mit uns, Erinnerungen an das Spielen im Torfmoor bis zum Sonnenuntergang, an den Geruch nach Kuhstall, an das Baden in der Peene, an das Chillen in der Busse (Haltestelle) oder an ruckelndes Netflix. An Begegnungen mit inspirierenden Fremden, an prägende Bücher, an die Schlosserlehre und die Arbeit im Stahlwerk, in der LPG oder auf Montage im Westen, an den aufrechten Gang, den man bei der friedlichen Revolution von 1989 lernte und daran, wie trotz aller Anfeindungen trotzig am eigenen Lebensweg oder an den unterschiedlichen Herkünften und Sprachen der Eltern festgehalten wurde, ob Plattdeutsch oder Ungarisch.

Die Mecklenburgische Schweiz, das wurde an diesem Abend deutlich, kann „Fluch und Segen“ sein und setzt sich aus einem Mosaik unterschiedlichster Herkünfte zusammen. Und bei aller Vielstimmigkeit, da schien sich die bunt gemischten Riege aus Jung- und Alt-Slammern einig, kann es keinen Platz geben für „Rührseligkeit und rechte Seufzer nach der ländlichen Scholle“ (Tim Urbanek). Und die „Heimat“, was ist mit diesen schwierigen Begriff, der zumindest hinter dem Netto in Demmin „abwechselnd ausgeschildert wurde als Reichszone und geistreiche Zone“ (Baldo Kabuß)? Auch den Heimatbegriff, so Anna Schröder, sollten wir nicht den „Ausgrenzern“ überlassen: „Heimat ist, wo sich Leute vor Ort für ihren Ort engagieren“, sie „ist zum Teilen da, für die, die Heimat haben und für die, die Heimat suchen“. „Was wollt ihr hören“, fragte denn auch die Gewinnerin des Poetry-Slam Amina Kanew, „dass ich etwa Heimat gut finde, und das bisschen Ausgrenzung mitunterstütze, einen Slam schreibe über Herkunft in der Mecklenburgischen Schweiz, über atemberaubende Landschaften und das faszinierende Tierreich? Wie kann Heimat eine Hautfarbe haben?“ Und an dem langen Abend wurde auch klar, dass auch wenn es nur einen Bus in die Stadt gibt, die Laternen um 10 ausgehen, und Youtube noch bei 144p wackelt, Mecklenburg eben nicht die Gegend sein muss, wo man einschläft ohne es zu merken, wenn wir uns bewegen, uns einbringen, neue Leute kennenlernen, Perspektiven wechseln.

Marco Clausen, 29.09.2020

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