Anthropozän-Schulprojekt in der Malchiner Kulturnacht

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Im Rahmen der Malchiner Kulturnacht stellten Schüler des Fritz-Greve Gymnasiums Malchin Ergebnisse des Anthropozän-Schulprojekts vor. In Zusammenarbeit mit dem Projekthof Karnitz entstanden u.a. Schulbänke aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz.

26.04.2018

Im Rahmen der Malchiner Kulturnacht stellten Schüler des Fritz-Greve Gymnasiums Malchin Ergebnisse des Anthropozän-Schulprojekts vor. In Zusammenarbeit mit dem Projekthof Karnitz entstanden u.a. Schulbänke aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, Konzept und Modell eines gesunden Schülerrestaurant, ein digitales Klassenzimmer, sowie ein Solartrockner. Erneuerbare Energien bilden die Zukunft der Energieversorgung. Der Solartrocknerprototyp zeigt, dass dezentrale, erneuerbare Energien an der Schule möglich sind. Mit hochwertiger Essensversorgung mit kurzem Transportwegen (z.B. Trockenobst aus dem Schulgarten) können wir selbst Problemen, wie z.B. den Klimawandel entgegensteuern.

Mehr Bilder der Malchiner Kulturnacht hier.

Ausgangspunkt ist die eigene Schule: am Fritz-Greve-Gymnasium wird gemeinsam mit dem Projekthof Karnitz e.V. das experimentelle  durchgeführt (Anthropozän: vom Menschen geprägtes Erdzeitalter). Jahrgangsübergreifend arbeiten 9. und 11. Klassen in den Forschergruppen Energie, Digitalisierung, Ernährung, Schulgarten, Schulkantine, Verkehr, und Medien/Kommunikation. Die Fächer Naturwissenschaftliche Experimente und Ethik verbinden sich, um gesellschaftliche Themen gemeinsam anzugehen: globale planetare Leitplanken, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeitsziele sowie deren Übersetzung in den Schulalltag von morgen.

Begleitet wird das Anthropozän Projekt, dass über das gesamte Schuljahr 2017/2018 läuft, auch von dem Haus der Kulturen der Welt, das sich am 13. und 14. Juni selbst in eine utopische Schule verwandelt. In einem experimentellen Stundenplan erproben die Beteiligten der Schulprojekte in Workshops, Experimenten und Diskussionen die entworfenen Ideen für die Schule der Zukunft.

Bevor die Reise nach Berlin geht, präsentieren die teilnehmenden Schüler*innen des Fritz-Greve Gymansiums ihre Anthropozän-Schulstunde dem Malchiner Publikum in einer Generalprobe am Montag, den 4.Juni 2018, um 18 Uhr. Dazu sind alle recht herzlich eingeladen. Weitere Informationen folgen.

Nordkurier, 23. April 2018

Soundspiel unseres Lebens – „Right Here Right Now“ (FAT BOY SLIM)

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Nach der Erarbeitung von Kompositionstechniken (I) und der Anwendung dieser Kompositions- und Kreativitätstechniken auf das Liedermachen (II) führte der dritte Ferien-Workshop der Reihe Klangbilder das Erlernte in einem „Soundspiel“ zusammen.

31.12.2017

Netzwerk und Soundspiel

Nach der Erarbeitung von Kompositionstechniken (I) und der Anwendung dieser Kompositions- und Kreativitätstechniken auf das Liedermachen (II) führte der dritte Ferien-Workshop der Reihe Klangbilder das Erlernte in einem „Soundspiel“ zusammen. Der Begriff für unser Werk aus selbst komponierter Musik, Klängen und darstellerischen Elementen, leitete sich von zwei der Schnittstellen unseres Workshop-Lernexperiments her – Klängen und Spiel. Diesmal war unsere Arbeit gezielt räumlich-netzwerkartig strukturiert, auf verschiedene wiederkehrende Schnittpunkte in der Organisation unserer Thematik – unseres Lebens – bezogen.

 Diese „Rückkehrpunkte“ waren Handlungen, Begriffe, Modelle oder auch Arbeitsweisen: ein kartesisches Koordinatensystem (als Kreativitätstechnik), zum Teil mit einer bärtigen Person im Mittelpunkt des Hier und Jetzt, nach deren Wohin und Woher gefragt wurde, der Begriff „Anthropozän“, dem im Bereich der Geologie geprägten Begriff vom Zeitalter des Menschen, der die Gewalt menschlichen Einflusses auf die Erdentwicklung zu fassen versucht, das Musizieren, das Spiel in vielfachen Formen – Fußballspiel, Kartenspiel –, das Soundspiel als musikalisch-performative Parallele und Ziel unseres (utopischen, Workshop-) Spiels des Lebens.

Anhaltspunkte für den Bezugswechsel war offensichtliche Anschlussfähigkeit (etwa, wenn es eine aus dem Fußballspiel abzuleitende Kompositionsidee zu erproben galt), aber auch die Situationen der Ermüdung und des Festfahren von Versuchen. „Machen wir an dieser oder jener Stelle weiter und kehren dann zurück“, hieß es dann.

„Wie im Leben“, konnten wir sagen, wenn wir so Widersprüche erlebten, die doch parallel existieren konnten, wenn wir Längen erlebten, wenn etwas überraschend klappte – oder wenn die Zeit in Selbstvergessenheit verschwand.

Grundstruktur von Lebensäußerungen in Diagramm und Zeichnung

Die ersten Übungen zum Strukturieren gingen von der Grundmetapher des Diagramms aus, in dem wir im Brainstorming oder nach verschiedenen Zufallsprinzipien zusammengestellte Begriffe unserer Umwelt in einer sinnhaften Grundstruktur ordneten.

Mit der Arbeitsrichtung sinnhaft → sinnvoll wurde dieses diagrammatische Herantasten mehrfach durchlaufen. Vor allem auf dem Weg ikonischen Arbeitens, mit kleinen sich auseinander entwickelnden Zeichnungen, haben wir Begriffe zueinander gebracht und mit ihnen beschreibbare konkrete Lebenssituationen gewonnen.

In der ersten Runde schwirrten die Begriffe im Raum, standen auf Büchern, waren in unseren Gedanken, im Medium der eigenen Erfahrungen. Ordnungsleistung, schöpferische Leistung war, aus den in großer Freiheit gewonnenen Begriffen solche auszuwählen, die für die Charakterisierung unseres Lebens besondere Bedeutung haben könnten, und diese als Dimensionen unseres Koordinatensystems zu differenzieren: Baldo beschrieb das so: „Wir hatten z.B. Notenständer als Begriff für Kreativlosigkeit, als Gegenteil von so einer kreativen Sache wie Musik. Tabu, das Spiel, ist ein Inbegriff für Kultur, weil es gemeinschaftlich ist und viel mit Sprache zu hat und halt auch ein Spiel ist. Und je weiter wir auf dieser Achse zurückgehen, desto weniger kultiviert ist etwas. Und Computer haben wir für künstliche Intelligenz genommen. Also, je mehr Computer, um so intelligenter ist etwas, aber auch künstlicher. Und dann haben wir aus diesem Diagramm, hier an diesem konkreten  Punkt, die Aussage: Kreativlosigkeit bei Kultur im Minusbereich ist verbunden mit dezent erhöhter künstlicher Intelligenz.“ 

Aus spielerisch gefundenen Begriffen wie „endoplasmatisches Retikulum“, „Malchin“ oder „Dezember 2052“ (als Zukunftsjahr, das man ja auch wieder stufen kann in Jahre, Monate, in Wochen, in Tage, Stunden, Sekunden…) sinnhafte Aussagen zu gewinnen – das erlebten wir als originelle Interpretationsleistung, Erfahrungsleistung, Lebensleistung, Erfolg: „Im August 2052 ist in Malchin das Lebensgefühl leicht positiv bei niedriger Komplexität“ oder eben auch „Kreativlosigkeit bei Kultur im Minusbereich ist verbunden mit dezent erhöhter künstlicher Intelligenz.“

Hervorzuheben ist der fruchtbare Wechsel zwischen den Arbeitstechniken des Schreibens und des Zeichnens, gerade letzteres mit viel Mut, Selbstbewusstsein und inspirierendem Lachen den Textbezug fördernd. Gelungene Zeichnungen und Diagramme wurden für die Workshopzeit an den Wänden fixiert, um Rückbezug und Modifikationen einfach zu machen.

Dann fanden wir – beim Fußballspielen – heraus, dass Musik Grundstrukturen aufweist, die unseren lebensweltlichen Bild-Wort-Diagrammen ähnlich sind!

Musizieren als kreatives Medium, Spärenharmonie

Die Ideenfindung und -entwicklung im Medium von Musik und Klang (Improvisation an Instrumenten und Gesang) war eine Besonderheit unserer Arbeit. Es war im Workshop möglich, statt einer Antwort ein musikalisches Thema präsentiert zu bekommen – oft aber auch die Antwort selbst in Form einer Melodie, eines Klanges oder Liedes. Gesprächsdynamik wurde durch Hintergrundmusik an der Ukulele oder Trommeln (durchaus von Laien) gefördert. Ergebnis unser Improvisationen war unter anderem die Klang-Performance „Fahrrad-Symphonie“, die das regionale Kunstfest „Altkalener Herbst“ sowie eine Weihnachtsfeier in Malchin eröffneten.

Von dieser Grundlage aus haben wir uns von Ideen zu dreidimensionalen Kompositionstechniken, deren formalen Bezug zu „unseren“ ordnenden Diagrammen, inspirieren lassen. Die Anregung lieferte der Designtheoretiker Abraham B. Moles, der in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts für die Darstellung von Tönen dreidimensionale Klangportionen im Raum (bestimmt von Dauer, Lautstärke und Tonhöhe) vorschlug.

Tim fand davon ausgehend einen Bezug von Musik und unserem Workshop-Fußballspiel: „Die Abdrücke der Fußbälle [auf den Fußballtoren aus weißen MDF-Platten – d. A.] sind dadurch entstanden, dass wir gegen die Leinwände geschossen haben und ich habe dabei eine Ähnlichkeit des Punktmusters zu Noten auf einer Notenlinie entdeckt. Durch die Abstände der Abdrücke zueinander und der vertikalen Ausrichtung, habe ich die beiden Bilder in Stücke umgesetzt.“

Dimensionen für unsere Idee des Soundspiels waren von hier aus: Musikalität als Paralleluniversum zur Lebenswelt des Menschen, Widerspiegelung unserer thematisch bezogenen Strukturierungs- und Differenzierungsleistungen und unserer Lebenskultur hier vor Ort in der einzelnen musikalischen Form – und in der Dramaturgie und Musik der spielerischen Performance des Soundspiels, in dem sich unsere Lebenswege kreuzen.

Bildlichkeit des Fußballspiels

Die Verknüpfung des Fußballspiels mit Musik gehörte zu unserem Verständnis vom Soundspiel des Lebens. Unser Leben, unsere Freude daran, Individualität und Kreativität, Gemeinschaft und Synergie findet sich in unseren Spielen.

Die Abdrücke von scharf geschossenen, gelupften oder leicht touchierenden Fußbällen auf großen weißen Tafeln hatten nicht nur musikalischen Gehalt, sie spiegelten Spiel in inspirierender Bildlichkeit. Auch unsere Fußball-Tafeln waren ein Höhepunkt auf dem Kunstereignis „Altkalener Herbst“.

Neben Fußball gehörten die Kartenspiele „Tabu“ und „Bullshit“ sowie das Brettspiel „Siedler von Catan“ zu den Knotenpunkten, sie wurden teils analysiert und waren Grundlage für Episoden des Soundspiels.

Multidimensionalität – Narrativität

Das Erzählen und Weiterspinnen von Episoden entwickelten wir im Rekurs auf unsere diagrammatische Kreativitätstechnik. In einer zweiten Runde haben wir uns dabei Gedanken gemacht, wie Personen und Dinge an ihren Ort, in ihre Situation im Hier und Jetzt kommen. Beispiel war uns ein Werbefoto, das seine inhärente, bezweckte Story hat, aber ebenso die Geschichte seiner Produktion oder etwa die der Episode im Leben des abgebildeten Models. Die Geschichten führten jeweils zu diesem Bild, kreuzten sich in seinem Moment und entfernten sich von ihm.

Der Koordinatenmittelpunkt repräsentierte uns den Gegenstand (oder auch ein Ereignis, eine Person), die Dimensionen unserer Koordinatensysteme wurden zu Dimensionen im Sinne von Geschichten, in die der Repräsentant jeweils eingebettet war. Ein Übergang von differenzierbaren Werten und Begriffen zu Narrativität und mehrdimensionalen Geschichten.

Wir überlegten z. B.: Wie kommt das Fahrrad, auf dieses Foto, in diese Stadt, auf dieses Deckblatt, der Faltkarte von Malchin.

Hannah erinnerte sich: „Wir hatten beispielsweise die Idee, dass das Fahrrad programmiert wird vom Handy, oder dass die Aliens das Fahrrad auf die Erde gebracht haben. Wir hatten dann noch mehrere Ideen, beispielsweise, dass die CIA das Fahrrad mit ihrem Spionageflugzeug und das Fahrrad als Spion nach Malchin heruntergelassen hat und ähnliches…“

Diese Mehrdimensionalität, das Überschneiden von Lebenswegen, übernahmen wir für die Struktur unseres Soundspiels.

Unser Soundspiel des Lebens – Höhepunkt

Selbst Schnittpunkt, aber auch übergeordnete Klammer unserer Unternehmungen war das Soundspiel, eine eintägige Aufführung der Verknüpfung von uns wichtigen Workshopergebnissen und -erlebnissen mit Geschichten, Bildern und Sketchen. Die Verbindung der Elemente erfolgte durch Wege und Übergänge im Medium von Raum und Musik.

Im Zentrum stand das Spiel „Siedler von Catan“, das wir von verschieden Stories, Musikstücken, Klangfolgen und Sketchen, Liedern und Performances aus erreichten und wieder verließen, zu dem wir zurückkehrten, von dem aus wir neu begannen.

Wir präsentierten auf unseren Wegen: Die „Flussetüde“ von Tim, die gemeinschaftliche Komposition GEAD, die Topfdeckelmusik, ein vollständiges, ergebnisoffenes Fußballspiel, das „Fußballmotiv“ von Tim, „Miau“, die Katzenstory, eine Bourré, ein Gericht (Kartoffelsalat),  die Geschichte vom Dschinn, den dazu passenden Spaßsong „Dshinnel Bells“, die Farradklingel-Symphonie, die selbstgemachten Lieder „Fliegen möcht‘ ich gern“, „Abenteuerlied“ und „Offenheit“, einige Minuten Schlaf und vieles mehr, in komplexer Dramaturgie und Choreografie, zum Cataner Schnittpunkt hin und von ihm weg.

Spiel des Lebens: Anthropozän – Anthropozent

Dem Bezug des Soundspiels zu unserem Leben im Großen und der Lebenswelt unserer Workshop-Utopie gaben wir eine zeichnerische Wendung, beides zu verknüpfen:
Der kartesianische Ursprung mit Anthropos, dem Menschen – uns selbst, im Mittelpunkt, wurde uns zum Leitgedanken der dritten Runde unserer kreativen Diagrammarbeit. Wir lernten, diesen Ursprung als Schnittpunkt von Entwicklungen zu verstehen (von Alltagswegen, Geschichten, evolutionären Prozessen, natürlicher Drift) in deren Zentrum der Mensch nicht zwingend bleiben muss: wer sind wir, wohin entwickeln wir uns wir, woher nehmen wir Kraft und Mut, das zu beeinflussen. Diese Fragen verankerten wir zeichnerisch in unserem Denken und nahmen sie mit auf den Weg.

Die ausschlaggebende Bedeutung menschlicher Lebensprozesse für Gefährdung und – so die Hoffnung –  Bestand der natürlichen Lebensgrundlagen auf das Hier und Jetzt zu beziehen, war eröffnende Inspiration und wurde zum Ausblick des Workshops.

Zurück ins Leben – Aufführung

Für die Vorbereitung unserer Abschlussaufführung nutzten wir die gewonnenen Erfahrungen: Die komplexe Arbeit der Reduktion des eintägigen Sondspiels auf 30 Minuten Programm für die Weihnachtsfeier des Sozialwerkes der Freikirchlichen Gemeinde Malchin und der Malchiner Tafel führten wir im Rahmen eines Kartenspiels durch. In den Runden, Pausen, durch Einwürfe und Analogien zum Spielverlauf entstand die Aufführung „Dshinnel Bells. Weihnachten im Hier und Jetzt” der Soundspiel-Familie. Und nach dem Applaus: Auf ins Leben.

von Christian Kabuß

Die Ferienfreizeit Klangbilder fand vom 21. – 30. Oktober 2017 auf dem Projekthof Karnitz e.V. statt. Der Musiker Christan Kabuß und der Wissenschaftler Joachim Borner, arbeiteten mit Jugendlichen, um deren Lebensentwürfe orientierend gestalten und reflektieren, um diese künstlerisch in verschiedene Klangbilder für eine humane Welt zu übersetzen.

Die Ferienfreizeit wird gefördert über das Programm „Kultur macht stark“.

Lokale Bündnisspartner:
KMGNE
Sozialwerk der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Malchin Teterow e.V.
Kulturverein Lelkendorf

Spiel, Kunst und Komposition

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25.10.2017

„Right Here Right Now“ (FAT BOY SLIM)

Wir waren wieder zur Halbzeit der Herbstferienfreizeit auf dem Projekthof mit der Kamera dabei und haben von Christian Kabuß erfahren wollen, was es mit dem „Soundspiel“, so der Titel, eigentlich auf sich hat.

„Die Vorgabe im Workshop ist, uns mit dem Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen, zu beschäftigen. Das ist unser eigenes Leben – wir können von unseren eigenen Erfahrungen ausgehen. Hoher Anspruch wird nun, ‚unser‘ Anthropozän irgendwie einzuordnen oder mit einer Grundstruktur zu versehen.

Wir machen das, weil wir kreativ sind, im Medium von Klängen und Bildern. Die ersten Übungen zum Strukturieren gehen von Diagrammen aus, die im Brainstorming, zusammengestellte Begriffe unserer Umwelt in eine sinnhafte Grundstruktur bringen.

Mit der Arbeitsrichtung sinnhaft → sinnvoll wurde dieses diagrammatische Herantasten bereits mehrfach durchlaufen. Vor allem auf dem Weg ikonischen Arbeitens, mit kleinen sich auseinander entwickelnden Zeichnungen, haben wir Begriffe verdichtet und mit ihnen beschreibbare konkrete Lebenssituationen gewonnen.

Dann fanden – beim Fußballspielen – wir heraus, dass Musik Grundstrukturen aufweist, die zu unseren lebensweltlichen Bild-Wort-Diagrammen ähnlich sind!

Intuitive Ideenfindung durch Kreativitätstechniken als Konstante des Workshops

„Wir hatten z.B. Notenständer als Begriff für Kreativlosigkeit, als Gegenteil von so einer kreativen Sache wie Musik. Tabu, das Spiel, ist ein Inbegriff für Kultur, weil es gemeinschaftlich ist und viel mit Sprache zu hat und halt auch ein Spiel ist. Und je weiter wir auf dieser Achse zurückgehen, desto weniger kultiviert ist etwas. Und Computer haben wir für künstliche Intelligenz genommen. Also, je mehr Computer, um so intelligenter ist etwas, aber auch künstlicher. Und dann haben wir aus diesem Diagramm, hier an diesem konkreten  Punkt, die Aussage: Kreativlosigkeit bei Kultur im Minusbereich ist verbunden mit dezent erhöhter künstlicher Intelligenz. Also ja… “ (BALDO)

„Die Begriffe aus der ersten Runde, schwirrten im Raum, standen auf Büchern, waren in unseren Gedanken. Wie bei Alice im Wunderland, dem Weltwerk der Nonsense-Literatur, entstand aus ihrem Zusammenhang Bedeutung – im Medium der eigenen Erfahrungen.

Jetzt sind wir dabei, zu verdichten, also aus den intuitiv in großer Freiheit gewonnenen Begriffen solche auszuwählen, die für die Charakterisierung unseres Lebens besondere Bedeutung haben könnten, und diese zu differenzieren. So tritt zur Ordnungsleistung schöpferische Leistung.

Unsere Grundmetapher für das Strukturieren und Differenzieren ist das Diagramm aus der Mathematik, mit dem man Raum durch drei Koordinaten beschreibt. Vor der Folie unseres Themas Mensch, Menschenzeitalter haben wir jetzt drei oder vier Vorgänge der Verdichtung durchlaufen.

Was die erste Runden gebracht hat, ist, dass man aus zufälligen Begriffen wie ‚endoplasmatisches Retikulum‘, ‚Malchin‘ oder ‚Dezember 2052‘ (als Zukunftsjahr, das man ja auch wieder stufen kann in Jahre, Monate, in Wochen, in Tage, Stunden, Sekunden…) durchaus kluge Aussagen, die bestimmte Situationen bewerten, gewinnen kann. Da steckt unsere Interpretationsleistung, Erfahrungsleistung, Lebensleistung dahinter: ‚Im August 2052 ist in Malchin das Lebensgefühl leicht positiv bei niedriger Komplexität‘ oder eben auch ‚Kreativlosigkeit bei Kultur im Minusbereich ist verbunden mit dezent erhöhter Künstlicher Intelligenz.‘ Ja okay, und es macht ja auch noch Spaß, dem Nonsense eine Richtung zu geben.“

Multidimensionale Narrativität

„In der zweiten Runde der Verdichtung haben wir uns Gedanken gemacht, wie Objekte (oder wir selbst) an den Ort kommen, an dem sie sich (wir uns) befinden, zu dem und dem Zeitpunkt… Wie kommen die Dinge und Lebewesen ins Zeitalter des Menschen, in ihre konkrete Situation in der Lebensumwelt.

Zum Beispiel: Wie kommt das Fahrrad in diese Stadt, hier auf der Karte von Malchin. Eine  Idee war z. B. die Statue eines Fahrrads…“

„Dann hatten wir beispielsweise noch die Idee, dass das Fahrrad programmiert wird vom Handy, oder dass die Aliens das Fahrrad auf die Erde gebracht haben. Wir hatten dann noch mehrere Ideen, beispielsweise, dass die CIA das Fahrrad mit ihrem Spionageflugzeug  und das Fahrrad als Spion nach Malchin heruntergelassen hat und ähnliches…“ (Hannah).

„Ausgehend vom einfachen Koordinatensystem, wie wir es aus dem Schulunterricht kennen, haben wir zur Ortung eines Fahrrades in der Stadt schon eine ordentliche Mehrdimensionalität erreicht. Baldo meint, in der Physik wären wir bei 26 Dimensionen zur Erklärung der Welt – da kommen wir in einigen unserer Versuche ziemlich nahe ran.

Wichtig ist mir, zu vermitteln, dass so ein Zustand, so ein Koordinatenmittelpunkt, sich in unserem Sinne als ein Schnittpunkt von ganz vielen Geschichten verstehen lässt. Nehmen wir das Beispiel eines Werbespots, einerseits hat der seine eigene Story, seinen Werbezweck, aber das Model, das da auftritt, hat auch selbst eine bestimmte Lebenssituation, vielleicht gar keine Lust zum Arbeiten oder gerade ganz viel Lust zum Arbeiten, das wären dann schon 3 mögliche Erzählungen, die sich gerade in diesem Moment des Fotos oder des Filmes kreuzen.

Im Workshop wurden uns so die Dimensionen unserer Koordinatensysteme zu Dimensionen im Sinne von Geschichten. Ein Übergang von differenzierbaren Werten und Begriffen zu Narrativität und mehrdimensionalen Geschichten.“

Begriff des Anthropozän liefert die ganzheitliche Bindung für die erarbeitete Mehrdimensionalität

In der dritten Stufe haben wir dann gesagt, jetzt sind wir bei unserem Thema, dem Anthropozän.  Es geht jetzt nicht mehr um zufällig gewonnene Gegenstände, um bestimmte exemplarische Begrifflichkeiten, sondern der Mensch mit seinen Stärken und Schwächen steht im Mittelpunkt unseres Denkens. Wir versuchen, die Dimension, die uns der Mensch ausmacht, herauszufinden. Im Zentrum dieses vieldimensionalen Koordinatensystems steht der bärtige Mensch aus dem Video „Right Here Right Now“ von Fat Boy Slim.

In zwei Gruppen – die eine guckte nach Slims Problemen und die andere, wo Fat Man in der Welt steht –  ergründeten wir Reisen und Metamorphosen des Menschen in den Mittelpunkt der Welt. Und sein Driften aus diesem Zentrum heraus in die Zukunft!

Wie es mit dem Menschen weitergeht, ausgehend vom Zeitalter des Menschen – da haben wir jetzt für die zweite Workshophälfte noch einiges darüber nachzudenken und wir wollen  das mit dem anderen Bereich, unserem Paralleluniversum der Musik und des Spiels, an denen wir parallel arbeiten, verknüpfen.“

Musizieren als zweite Konstante des Workshops

„Der Gedanke der Sphärenharmonie beschäftigt den Menschen seit seinem Gedenken. Die Anregung für die Verknüpfung unseres Nachdenkens in Dimensionen mit der Musik lieferte der Designtheoretiker Abraham B. Moles, der in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts für Töne dreidimensionale Klangportionen im Raum (m.E. x=Dauer, y=Lautstärke, z=Tonhöhe) vorschlug.

Bitten wir Tim, die Ukulele an den nächst sitzenden Ukulelespieler weiterzugeben, um unsere Hintergrundmusik fortzuführen, und kurz zu skizzieren, wie man von Koordinaten im Raum zu einem musikalischen Thema kommt.“

 „Die Abdrücke der Fußbälle sind dadurch entstanden, dass wir gegen die Leinwände geschossen haben und ich habe dabei eine Ähnlichkeit des Punktmusters zu Noten auf einer Notenlinie entdeckt. Durch die Abstände der Abdrücke zueinander und der vertikalen Ausrichtung, habe ich die beiden Bilder in Stücke umgesetzt.“ (TIM)

Dimensionen unserer Idee des Soundspiels an dem wir arbeiten, sind von hier aus: Musikalität als Paralleluniversum zur Lebenswelt des Menschen, Widerspiegelung unserer thematisch bezogenen Strukturierungs- und Differenzierungsleistungen und unserer Lebenskultur hier vor Ort in der einzelnen musikalischen Form – und in der Dramaturgie und Musik einer spielerischen Performance, in der sich unsere Lebenswege kreuzen.

Interview von Martina Zienert mit Christian Kabuss, Oktober, 2017.

Die Ferienfreizeit Klangbilder fand vom 21. – 30. Oktober 2017 auf dem Projekthof Karnitz e.V. statt. Der Musiker Christan Kabuß und der Wissenschaftler Joachim Borner, arbeiteten mit Jugendlichen, um deren Lebensentwürfe orientierend gestalten und reflektieren, um diese künstlerisch in verschiedene Klangbilder für eine humane Welt zu übersetzen.

Die Ferienfreizeit wird gefördert über das Programm „Kultur macht stark“.
Laufzeit: 04 – 12/2017

Lokale Bündnisspartner:
KMGNE
Sozialwerk der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Malchin Teterow e.V.
Kulturverein Lelkendorf

Wir machen nichts Lebensfremdes, sondern sind mittendrin…

test 4

„In den letzten Tagen haben wir sehr viel über unsere Lebensentwürfe nachgedacht, Musik gemacht, Musik komponiert und die Kompositionen ausgearbeitet, die Ausarbeitung wieder einfließen lassen in die Grundidee der Komposition.

27.10.2016

Wir waren zur Halbzeit der Ferienfreizeit „Klangbilder“ mit der Kamera dabei und haben von Christian Kabuß erfahren wollen, was da eigentlich inszeniert wird.

„In den letzten Tagen haben wir sehr viel über unsere Lebensentwürfe nachgedacht, Musik gemacht, Musik komponiert und die Kompositionen ausgearbeitet, die Ausarbeitung wieder einfließen lassen in die Grundidee der Komposition.
Ab heute wollen wir diese Komposition in andere Medien überführen. Wir machen Aufnahmen von unser Chor-/ Ensemblearbeit, von unseren Liedern, die wir komponiert haben und von unseren Perkussionsinstrumenten. Wir wollen das dauerhaft machen, etwas, was man vielleicht in you tube stellen kann, in seinen Gruppen versenden kann. Wir wollen ein bleibendes Ergebnis erzeugen. Ein kleines Ergebnis haben wir ja schon, das ist unsere Komposition.

600_600_dsc_1258-kopieWenn wir die fotografieren, haben wir ein Werk, das wir auch behalten und mitnehmen können, jeder für sich auch aufführen kann, mit seinen Freunden, mit neuen Leuten.
Jetzt geht es darum, dass wir eine Aufführung des Werkes in die Welt hinaustragen. Der Unterschied zwischen Werk und Aufführung ist folgender: Das Werk ist das bleibende, was immer da ist. Zum Beispiel ist das Werk, was Bach vor 300 Jahren gemacht hat, bleibend, die Aufführung ist immer neu. Wenn wir in 20 Jahren eine Aufführung von unserer Komposition machen, hört sich die möglicherwiese anders an oder wir haben andere Schwerpunkte. Oder wir haben anderes Holz und dadurch eine andere Percussionssituation.

600_600_dsc_1340-kopieDer Ausgangspunkt war Kultur macht stark. Ich füge mal ein, Kultur macht UNS stark.
Wir haben gesagt, wir sind so stark, dass wir das können, was Bach oder was Beethoven kann. Oder was unsere Lieblingskomponisten machen können. Wir müssen nur einfach unsere eigenen Stärken einbringen.

Die meisten von uns können keine Noten, die meisten von uns können kein Instrument spielen. Aber wir sind wir selbst und wir haben jeder von sich aus ein Element.

600_600_dsc_1610-kopieTim´s Zylinder oder die Skizze von dem Regen von Mei Ling, Lukas Gesicht oder Mellie´s expressive, ausdrucksstarke Zeichnung. Jeder hat von sich ein Zeichen eingegeben und damit die Komposition begründet.

600_600_dsc_1345-kopieEin paar haben sich aus unseren Übungen ergeben, als wir uns in den Bauch geboxt haben oder an der Augenbraue oder Schläfe rumgefummelt haben.
600_600_dsc_1275-kopieDas sind Elemente, die auch von uns kommen. Die hatten Beethoven oder Bach nicht gehabt. Die haben sich vielleicht nicht so getraut, die saßen alleine in Leipzig und mussten komponieren, und wir machen das eben mit unseren Mitteln. Und wir sind Komponisten, so wie die ganz Großen unserer Zunft. Das war unser Ausgangspunkt und daran haben wir haben die letzten Tage gearbeitet.

Künstler/Bildkünstler sind wir auch geworden. Wir haben einen eigenen Ansatz, dass wir unsere großformatigen Werke auf Musik beziehen. Das machen nicht sehr viele Künstler, das ist ein eigener Kunstbereich. Wir haben gelernt, dass Bildkunst – unser Workshop heißt ja Klangbilder, also Bildkunst-, dass unsere Bilder Entsprechungen in der Musik haben. Also die Wiederholung, die Redundanz:

  • In Tim´s Bild die Beats in der Musik, die verschiedenen Farben dabei als Klangfarben zu interpretieren.
  • Das Dekor bei Marti, die in der Musik bedeutungslose Elemente haben, die dekorativ sind und in Beziehung zueinander gesetzt werden. Das sind Elemente, die in der Musik wie auch bei den Bildern vorkommen.
  • Oder eben das Verhältnis von Figur und Grund, in Jeanette´s Beispiel.

Als Bild sehen wir das hier, aber das gibt es nochmal als Melodie und einen Hintergrund, den wir gestern nochmal im Lied erzeugt haben. Dass man singt und sich das Singen über den Hintergrund der Begleitung erhebt.

Ein anderes Beispiel sind Illustrationen. Mei Lings Arbeit ist eine Illustration des Schreies, wie Schallwellen, die von einem offenen Mund ausgehen.

Von der Qualität her kann Mei Ling auch zu ihren eigenen Fragen ihre eigenen Illustrationen zeigen, nämlich zu ihren Überlegungen zu Nachhaltigkeit usw., also Verbindungen über die Zeichnung zu anderen Themen herstellen, die uns ankoppeln an das Leben.
Wir machen nichts lebensfremdes, sondern sind mittendrin…“

Die Ferienwerkstatt wird gefördert über das Programm „Kultur macht stark“.
Laufzeit: 10/2016 – 12/2016

Lokale Bündnisspartner:
KMGNE
Sozialwerk der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Malchin Teterow e.V.
Kulturverein Lelkendorf