Etabliertes in Frage stellen

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Pionierarbeit am Projekthof wird von der Deutschen UNESCO-Kommission porträtiert.

Im vergangenen Sommer bekamen wir Besuch von der Deutschen UNESCO-Kommission.

Grund war, dass der Projekthof seit 2017 ein ausgezeichneter Lernort des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung ist. Seit 2016 zeichnen das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche UNESCO-Kommission jährlich Kommunen, Lernorte und Netzwerke aus, die durch ihre Bildung für nachhaltige Entwicklung Aktivitäten und Angebote einen besonders guten Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und somit auch zum Weltaktionsprogramm in Deutschland leisten.

Die Auszeichnung erhielten wir im Hinblick auf unseren „Whole Institutional Approach“. Der bedeutet, dass das Arbeiten, Leben, Organisieren und die Strukturen des Projekthofes einem ganzheitlichen Ansatz folgen. Unsere Arbeit und Bildung, so schrieben wir in der Bewerbung, bedeutet für uns, uns systemisch, kulturell, ethisch und vielleicht auch revolutionär an den Herausforderungen der planetarischen Leitplanken zu orientieren.

Als wir durch die Auszeichnung im Frühjahr 2019 nun die Möglichkeit bekamen, unsere Arbeit auf einer Netzwerkveranstaltung der Deutschen UNESCO-Kommission in Dresden vorzustellen, entstand Interesse daran, ein Porträt über uns zu erstellen.

Nun freuen wir uns sehr, dass das Portrait über uns in der Broschüre Starke Strukturen. Ausgezeichnete BNE vor Ort veröffentlicht und gedruckt wurde. Die digitale Version könnt Ihr hier lesen und in der Broschüre in Karnitz blättern.

 

22.07.2020

Stellenausschreibung – Mitstreiter*in im WSD-Programm

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Im Rahmen des Programms Weltoffen, Solidarisch, Dialogisch (WSD) wird auf dem  Projekthof Karnitz ab dem 01.09.2020 eine/n Projektmitarbeiter*in Teilzeit (30 Stunden) befristet bis zum 31.12.2021 gesucht. Eine Verlängerung um weitere 3 Jahre wird angestrebt.

Die Ausschreibung finden Sie hier, wir freuen uns über Ihre Bewerbungen.
Gerne können die Ausschreibungen an Interessierte weitergeleitet werden.

16.07.2020

Haben Bürger*innen bei der Energiewende genug Mitsprache?

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Das aktuelle Soziale Nachhaltigkeitsbarometer 2019 zeigt, dass die Bevölkerung die Ideen der Energiewende größtenteils unterstützt, aber nicht so, wie sie zurzeit gemacht wird.

22.04.2020

Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende geht seit 2017 der Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz der Energiewende nach. Einstellungen und Erfahrungen der Bevölkerung werden im Nachhaltigkeitsbarometer erfasst. Damit identifiziert die Studie Fortschritte und Rückschritte und analysiert, wo politische und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten bestehen.

Das aktuelle Soziale Nachhaltigkeitsbarometer 2019 zeigt, dass die Bevölkerung die Ideen der Energiewende größtenteils unterstützt, aber nicht so, wie sie zurzeit gemacht wird.

„Acht von zehn Menschen in Deutschland unterstützen die Idee der Energiewende als Gemeinschaftswerk und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Gleichzeitig sind mehr als zwei Drittel mit der Energiewendepolitik der Bundesregierung unzufrieden. Als besonders gering schätzen die Befragten auch ihre eigenen Mitwirkungsmöglichkeiten ein: Nur jeder Fünfte erkennt die Möglichkeit, bei der Energiewende Einfluss zu nehmen und mitzusprechen.“ so das zusammenfassende Ergebnis der Studie.

Das „Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Energiewende“ wurde vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) herausgegeben. Hier geht es zum Download.

Die visualisierten Daten gibt es hier.

Das KMGNE ist Teil des Projektes Energiewende-Navigationssystem, kurz ENavi. Das Projekt betrachtet die Energiewende vor allem als einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungsprozess. Die Publikationen des KMGNE zum Projekt gibt es hier.

Kraft von Erzählungen und Narrativen

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Welche Kraft steckt in Erzählungen und Narrativen? Sie sind zentral, um zuversichtlich und aktiv mit Krisen, der Klimakrise, der Corona-Krise, umgehen zu können.

16.4.2020

Die ANU – Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung zeigt in ihrem April-Newsletter welche Kraft in Erzählungen und Narrativen steckt. Sie sind zentral, um zuversichtlich und aktiv mit Krisen, der Klimakrise, der Corona-Krise, umgehen zu können. „Es braucht ein Narrativ, das uns zeigt, wie wir die Herausforderungen gemeistert haben werden, anstatt nur die Probleme zu sehen, die noch kommen könnten.“

Im Beitrag von Joachim Borner „Narrative und Erzählungen in der BNE“ ist zu lesen, was ein Narrativ überhaupt ist und was ein erfolgreiches Narrativ und eine gelungene Erzählung ausmacht. Erzählungen, die das Suchen und Finden mit einschließen, seien vor allem in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) vielversprechend.

Noch ein Medientipp: Wie kann Zukunftsfähigkeit aussehen? Mit dieser Frage setzen sich Jugendliche und junge Erwachsene seit 20 Jahren in unseren Seminaren und Veranstaltungen auseinander. Das KMGNE in Berlin, das an den Projekthof angeknüpft ist, hat nun eine Gesamtschau der Spots und Musikvideos herausgebracht „Es wird einmal – 20 Jahre Nachhaltigkeitskommunikation„.

Die DVD kann hier bestellt werden.

Mobilität in der Mecklenburgischen Schweiz

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Der Projekthof in Karnitz lud am 24. März zu einer Videokonferenz ein. Ziel war es, die drei Mobilitäts-Ansätze öffentlich zu machen und zweitens zu schauen, wo sich diese drei Modelle verbinden lassen.

25.03.2020

Mir ist gerade eine Karte von Deutschland in die Hand gefallen, in der die Stärke des öffentlichen Nahverkehrs in den Regionen durch farbliche Markierung dargestellt ist. Fast alle Markierungen sind irgendwie blau – nur eine Fläche sticht durch rosa heraus, und das ist Mecklenburg-Vorpommern. Und rosa bedeutet hier: da ist nichts los. Man könnte auch sagen: da fährt nicht viel für Menschen, die zum Arzt müssen oder zum Markt wollen, für Jugendliche außerhalb regulärer Schulzeiten, für Familien, die Volksfeste in vollen Zügen zu genießen gedenken.

Dass es mau aussieht, stellten vor einiger Zeit auch eine Runde von Kulturleuten, Landwirten, Touristikern, Hofladenbetreiber u.a. fest, die sich für die Mecklenburgische Schweiz stark machen wollen. Um wenigstens im regionalen Raum etwas beweglicher zu werden, begann die Suche nach kleinen Lösungen, die neben der öffentlichen Hand möglich wären. Zurzeit gibt es drei Ansätze, über die hier bei uns nachgedacht und manches auch schon erprobt wird.
Hierzu lud der Projekthof in Karnitz am 24. März die drei Ideengeber zu einer Videokonferenz ein, die frei ausgestrahlt wurde. Ziel der virtuellen Veranstaltung war es, die drei Ansätze öffentlich zu machen – sowohl für die Runde als auch und natürlich für alle Bürger und Bürgerinnen. Und zweitens galt es zu schauen, wo sich diese drei Modelle verbinden lassen; ob sich etwas gemeinsam koordinieren lässt.

Was sind die drei Ideen?

Die KOMOB mit Prof. Onnen-Weber und Clemens Weiß sondiert zurzeit die lokalen Bedarfe. Es scheint, dass ein sogenannter anlassbezogener Transportservice viel Unterstützung erhalten würde:

Die MeckSchweizer e.G. verfolgt einen Mix aus Car-Sharing, einem System von Mitfahrgelegenheiten, welches z.B. auch Kurierdiensten die Möglichkeit gibt, Personen mitzunehmen und eine „umgekehrte Mikrologistik“: Fahrzeuge für den Personenverkehr nehmen Kleingüter mit:

Und schließlich kümmert sich Angelika Groh um die Touristen um den Kummerower See, die vom Bahnhof zur Unterkunft wollen oder in der Region beweglich sein wollen. Ideal wäre die Kombination eines Seerundbusses mit Schiff und E-Bikes:

Es ist gut, dass der Projekthof die drei Ideen zusammengeholt hat und damit das Thema lösungsorientiert in die Öffentlichkeit bringt. Denn alle haben sich darauf verständigt, in den nächsten vier Monaten die Bedarfe zu konkretisieren und die Ansätze darauf abzustimmen und schließlich eine gemeinsame Organisation zu finden, die die Schnittmengen fehlerarm koordiniert, damit die eingangs beschriebene Deutschlandkarte auch hierzulande etwas „blauer“ wird.

Kontakt: Joachim Borner
jborner@kmgne.de

Bäume pflanzen geht immer

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Eigentlich sollte es eine „Pflanzlesung“ werden. Das heißt, die Menschen vom Projekthof Karnitz wollten in Schorrentin Bäume für den Klimaschutz pflanzen, begleitet von einer Lesung des Autors Jochen Schilk aus seinem neuen Buch “Die Wiederbegrünung der Welt”.

08.03.2020

Eigentlich sollte es eine „Pflanzlesung“ werden am vergangenen Wochenende. Das heißt, die Menschen vom Projekthof aus Karnitz wollten in Schorrentin Bäume für den Klimaschutz pflanzen, begleitet von einer Lesung des Autors Jochen Schilk aus seinem neuen Buch “Die Wiederbegrünung der Welt”.

Natürlich hat jedoch auch der Projekthof auf die derzeitige Covid-19 Lage reagieren müssen und die Lesung bis auf weiteres verschoben.

Aber es wurde noch weiter gedacht. Warum nicht dennoch Bäume pflanzen? An der frischen Luft. Das kann man in Abstand zueinander machen, es ist eine gute körperliche Betätigung, verschönert unsere Dörfer und: es trägt zum Klimaschutz bei!

Dass man auch in der gegenwärtigen Corona-Krise aktiv dazu beitragen kann, zeigt die improvisierte aber gut gelaunte und gelungene Pflanzaktion vom Sonntag.
Und nicht nur in Schorrentin wurden Löcher ausgehoben und Bäume aus der Karnitzer Baumschule eingebuddelt. Nach Verchen wurden zwei Birken gebracht und gepflanzt. Sie ersetzen die kürzlich gestohlenen Bäume der großen Pflanzaktion im vergangenen November.
Weitere Pflanzungen werden folgen und vielleicht bieten sich in der Zukunft auch Privatpersonen an, die auf ihrem Grundstück noch etwas Platz für Klimabäume haben.

Was den Karnitzern zudem wichtig ist, ist, dass es sich um Bäume handelt, die dem Klimawandel auch in Zukunft trotzen können. Denn es braucht Bäume, die auch in 20 oder 30 Jahren noch in den sich veränderten Standortbedingungen im Klimawandel durchhalten, damit sie eine gute Investition in die Zukunft unserer Region sind. Der Projekthof erweitert zurzeit seine Baumschulfläche für Walnuss und Esskastanie.

Kontakt: amette@kmgne.de

Gegenhass hilft nicht gegen Hass

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Am 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus, der jedes Jahr mit einer Woche gegen Rassismus begleitet wird. Es ist eine Aktionswoche der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus. Eine Frau, die mit ihrer Wachsamkeit und ihrem …

11.03.2020

Am 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus, der jedes Jahr mit einer Woche gegen Rassismus begleitet wird. Es ist eine Aktionswoche der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus. Eine Frau, die mit ihrer Wachsamkeit und ihrem öffentlichen Agieren gegen Rassismus unermüdlich zur Tat schreitet, anstatt gleichgültig zu sein, ist die beeindruckende Aktivistin Irmela Mensah-Schramm. Ihre Form des Aktivismus gegen Hass und Hetze ist in der Ausstellung Hass vernichtet in der Alten Synagoge Stavenhagen zu sehen. Urpsrünglich nur bis Ende März, bleibt sie jedoch weiterhin aufgebaut und wir hoffen sie bald noch einmal zeigen zu können.

Übersprühen von Hassbotschaften

Seit 1986 fährt sie durch ganz Deutschland und übersprüht Hasskommentare und Nazisymbole im öffentlichen Raum, entfernt rechte Aufkleber. Aus „NS-Zone“ wird so eine Herz-Zone. Aus „Merkel muß weg“ wird „Merke! Hass weg!“. Sie nimmt die Hass-Botschaften, die als Drohungen zu verstehen sind, nicht einfach hin. Sie lässt sich nicht durch verbale und körperliche Einschüchterungen von Passanten abbringen, nicht durch Strafanzeigen und erneute Hassbotschaften der Urheber. Sie macht immer weiter! Über 130.000 Mal hat sie „Sachbeschädigung“ begangen in über 340 Städten in allen Bundesländern. Sie sei eine „Intensivtäterin“, wie sie sich selbst bezeichnet.

Meinungsfreiheit und die Würde des Menschen

Zwei Artikel unseres Grundgesetztes sind bei ihrem Aktivismus besonders wichtig:

Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Artikel 5: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.

Für Irmela Mensah-Schramm hat dieser Hass, der sich gegen alle Menschen richtet, die nicht in das Weltbild jender Hass-Täter passen, jedoch nichts mehr mit dem Grundrecht auf „Freie Meinungsäußerung“ zu tun:

Meinungsfreiheit hat Grenzen! Sie endet, wenn Hass und Menschenverachtung beginnen!

Denn, wie sie weiter ausführt, die von ihr dabei unabsichtlich verursachten Schäden an Hauswänden und Stromkästen sind reparabel und ersetzbar, die verletzte Menschenwürde jedoch nicht! Irmela Mensah-Schramm hat die Ausstellung am 5. März persönlich eröffnet und nebenbei einige Hassbotschaften in Stavenhagen und Güstrow entfernt. Danke! Die Erleichterung: „Er ist weg, der geistige Dreck!“ – so fühlt es Frau Mensah-Schramm, so fühlen es wir, die sie dabei begleiten durften.

An zwei Tagen vor der Ausstellung gab die Aktivistin gleich vier Schüler*innenworkshops „Mit bunten Farben gegen braune Parolen“. Die Schüler*innen konnten das auf Papier tun, was Frau Mensah-Schramm im öffentlichen Raum macht, Hassbotschaften in Herzbotschaften verwandeln. Die Ergebniss der Workshops sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Herzlichen Dank an die Alte Synagoge Stavenhagen für die enge Zusammenarbeit! Das Konzert mit Falkenberg und die Mittelmeer-Monologe werden voraussichtlich im Herbst nachgeholt werden.

Der Nordkurier berichtete über die Ausstellungseröffnung am 7. März 2020.

Bürgersalon „Frisch vom Acker auf den Tisch!“

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Am Abend des 27. Januar 2020,  eine Woche nach „Wir haben es satt“ und der Gegendemo der Landwirte findet der dritte Bürgersalon in der Resilienz-Reihe statt.

29.02.2020

Am Abend des 27. Januar 2020,  eine Woche nach „Wir haben es satt“ und der Gegendemo der Landwirte,  die mit 1000 Traktoren nach Berlin gekommen sind, um gegen die neuen Düngeverordnungen zu demonstrieren, findet auf dem Projekthof Karnitz der dritte Bürgersalon in der Resilienz-Reihe statt.

Wie bei den ersten Salons geht es um die Frage: wie resilient, also widerstandsfähig ist unsere Region? Bürger*nnen und eingeladene Expert*innen tauschen sich darüber aus, wie die Bewohner*innen der Mecklenburgischen Seenplatte mit Veränderungsprozessen, die in ihrer Region stattfinden, umgehen können.
Heute werden Fragen zu den Themenkomplexen Ernährung und regionale Landwirtschaft erörtert: Wie sieht es – im Kontext der Debatte und die Förderung regionaler Strukturen und der Sicherung der Daseinsvorsorge in Mecklenburg Vorpommern – mit der regionalen Wertschöpfungskette in der Lebensmittelproduktion aus?
Was produzieren Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern und wo vermarkten sie ihre Lebensmittel? Welche Erfahrungen machen zum Beispiel Großküchen in Krankenhäusern und Kindergärten, wenn sie mehr regionale Produkte anbieten wollen?

Was heißt regional?

Die fast dreißig Gäste, die in dem zum Arbeits- und Veranstaltungsraum umgebauten Stall auf dem Projekthof zusammenfinden, sind genau so verschieden wie die vielen Tische, die um vier alte Holzpfeiler herum gruppiert wurden.
Getreidelandwirte, Milchviehhalter und Fleischproduzenten sowie landwirtschaftliche Betriebe mit angeschlossenem Hofladen, Händler, Gastronomiebetriebe, Gärtner, Bäcker und das Landwirtschaftsministerium MV sind vertreten.

 

So zum Beispiel Grete Peschken, die eine Gärtnerei in Schwastorf betreibt. Peschken verwendet ausschließlich samenfestes Saatgut und hat eine große Leidenschaft für alte widerstandsfähige Gemüsesorten, die sie in ihrem Garten kultiviert. Eigentlich würde sie ihre Produkte gerne in der direkten Umgebung vermarkten, findet dort aber nicht genügend Abnehmer. Die Anzahl der Konsumenten, die ihr Gemüse dem Angebot der Discounter vorziehen, scheint in Mecklenburg-Vorpommern sehr überschaubar zu sein. Die Foodie-Szene in Berlin jedoch ist total scharf auf ihre Erzeugnisse, ihr Vertrieb hat sich bereits zum Selbstläufer entwickelt: inzwischen beliefert sie dort fast 30 Haushalte mit SoLaWi-Kisten. Auch das Restaurant Nobelhart & Schmutzig von Sternekoch Billy Wagner, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, ausschließlich regionale Zutaten zu verarbeiten, wird zweimal pro Woche von ihr versorgt. Allerdings: ist es noch wirklich regional, wenn Produkte von Schwastorf über 130 km nach Berlin transportiert werden?

Wer mit Investitionen vorangehe, könne gegebenenfalls mit Beteiligungen durch das Land rechnen

Welche Priorität hat die Förderung regionaler Strukturen für die Landesregierung? Dr. Joachim Borner, Begründer des Projekthofs Karnitz, eröffnet den Abend. „Wir hätten nie gedacht, was für ein großes Fass das ist, Ernährung und regionale Landwirtschaft. Diese komplexe Fragestellung, die man nicht heruntergebrochen bekommt, kann nur in Abschnitten erörtert werden. So wäre zunächst zu klären: wo sind neue Handlungsräume, welche Kooperationen gibt es, wo sind die Konfliktfelder und wie sieht der produktive Umgang damit aus? Anschließend, schlage ich vor, befassen wir uns mit den Akteuren und der Frage, wie wir in sozialen Einrichtungen regionales, gesundes Essen organisieren.“
Er gibt das Wort an Herrn Dr. Buchwald. Der Staatsekretär des Landwirtschaftsministeriums MV berichtet ausführlich von den Bemühungen der Behörden, den Zwängen der internationalen Wirtschaft und neuen Förderprogrammen, mit welchen die Landwirte sich Beratungen zur Diversifizierung ihrer Betriebe finanzieren lassen können. Grundsätzlich sei das Land sehr interessiert daran, regionale Strukturen zu fördern. Er bedauert, dass es an Verarbeitern, z.B. Schlachtbetriebe oder Betriebe die Gemüse waschen, schneiden und an Großkunden vermarkten, fehlt. Jeder, der gute Ideen habe, sei willkommen, diese vorzustellen. Wer mit Investitionen vorangehe, könne gegebenenfalls mit Beteiligungen durch das Land rechnen.

Jeden Tag im Supermarkt eine Volksabstimmung

Für Heike Müller, Landwirtin und Vorsitzende des Bauernverbandes Malchin, die jeden Morgen für ihre fast 3000 Liter Milch, zu ostdeutschen Zeiten morgens um 3 gemolken, sichere Abnehmer braucht, erscheint die Frage nach regionalen Kreisläufen unsinnig: bei solchen Größenordnungen wäre es schlicht unwirtschaftlich, Kitas oder Kliniken mit ein paar Liter Milch pro Woche zu beliefern. Für den Sohn ihres GbR Partners Wetzel, der den Betrieb in nächster Generation übernehmen wird, stellt sich sogar grundsätzlich die Frage, ob Milchviehwirtschaft in Zukunft überhaupt noch wirtschaftlich zu betreiben ist – wahrscheinlich eher nicht. Da ist er wieder, der globale Markt, der die Preise bestimmt.
Trotzdem plädiert sie für diese von ihrem Betrieb praktizierte industrielle Form von Landwirtschaft. „Die Mitarbeiter haben bei uns bessere Bedingungen als bei den oft sich selbst ausbeutenden Kleinbauern, die von morgens bis abends arbeiten und von der Hand in den Mund leben. Im Übrigen,“ fügt sie hinzu: „findet jeden Tag im Supermarkt eine Volksabstimmung statt“.
Es bleibt offen, ob Sie damit meint, dass das Volk preisgünstige Industrieprodukte haben will und weiterhin bekommen soll oder ob sie dem Endverbraucher damit sagen will: wenn Du bereit bist, mehr zu zahlen, wird es auch wieder mehr Landwirtschaft geben, für die regionale Wertschöpfung mehr bedeutet als die Abwesenheit von Massentierhaltung und Effizienz: vielfältige Netzwerke, die ländliche Regionen beleben und ihren Bewohnern Bildungschancen und Arbeitsplätze in einer anregenden Arbeitsatmosphäre mit eigenen Gestaltungsspielräumen bieten.
Dr. Jürgen Buchwald erwähnt jenen Akteur, der für die Qual der Wahl vor dem Supermarktregal sorgt: „bei Tönnies kostet der gesamte Schlachtvorgang pro Schwein ganze 7 Euro, während kleine handwerklich arbeitende Schlachtbetriebe Schlachtkosten von rd. 50,- Euro pro Schwein in Rechnung stellen.“ Der Schlachthof Teterow musste aufgeben, weil er trotz seiner 10.000 Schweine pro Woche nicht so wirtschaftlich arbeiten konnte wie die Schlachterei Tönnies. Die Schließung des Schlachthofes Teterow verteuert insbesondere die Schweineschlachtung von speziellen Qualitätsprogrammen wie Strohschweinen oder aus der ökologischen Erzeugung und erschwert die Einhaltung von Transportvorgaben dieser Programme. Regionale Lieferketten wurden zudem unmöglich.

Abhängigkeit der Landwirte vom Weltmarkt

Landwirt Dietrich Jaenicke spricht aus, was sich Kinder (die im Kindergarten noch „Hejo, spann den Wagen an“ singen) und auch viele Erwachsene nicht vorstellen können: unser Getreide wird in Chicago an der Börse gehandelt, und wenn in den Weiten Russlands durch ein Unwetter die Ernte ausfällt, dann steigt der Preis und der Mecklenburger Landwirt öffnet mit einem Mausklick sein Scheunentor, woraufhin der Weizen auf einem Frachtschiff (60.000 Tonnen) seinen Weg nach Afrika oder Saudi-Arabien findet. Wenn allerdings in Australien mit seinen endlosen Flächen eine super Ernte eingefahren wird, sinkt der Weizenpreis und der Mecklenburger Bauer wird sich hüten, seinen Weizen zu verkaufen. Die bewirtschafteten Flächen in MV sind strukturbedingt so riesig, dass die Frage nach einer Vernetzung der hiesigen Landwirte mit Küchenbetreibern schon fast naiv anmutet. Jänicke erzählt weiter, dass er „übrigens auch Massentierhaltung“ betreibe. Nur ein Produkt allerdings könne er regional vermarkten: den Honig seiner 120.000 Bienen. „Für alle anderen Produkte wie Weizen und Erbsen gibt es keine verarbeitenden Abnehmer auf regionaler Ebene.“

Verschwinden regionaler Verarbeitungs-Betriebe

Seinen Hafer lässt er zu 90% in die große Mühle Brüggen nach Lübeck bringen, die Haferflocken und Müslimischungen an nationale und internationale Handelsketten vertreibt. Sie zahlt deutlich mehr als das, was er für sein Exportgetreide bekommt. Er musste dafür aber auch schon mal in Kauf nehmen, seine komplette Lastwagenladung wieder zurückzunehmen. „Wegen eines Fliegenbeins im Getreide!“ Der pragmatische Landwirt, der inzwischen über so viel übertriebene Qualitätskontrolle lachen kann, beliefert die Mühle trotzdem weiter, weil er es gut findet, dass am Ende ein konkretes Produkt immerhin auch im Malchiner Supermarkt im Regal steht – aus seinem selbst angebauten Hafer. Jaenicke zeigt sich erfreut darüber, dass auch Großküchen mit am Tisch sitzen, mit denen er sich später noch austauschen wird. “Ich denke, wir stehen da schon mal an einem guten Anfang.“
Er pufft seinen Sitznachbarn freundschaftlich. So würde er seinen Hafer zum Beispiel gerne auch von Bäckern aus der Region verarbeiten lassen. Gerade an solche, die noch etwas von traditionellem Handwerk verstehen, wie Christoph Hatscher aus Stavenhagen.
Die Bäckerei mit 15 Filialen in der Mecklenburgischen Seenplatte kann sich sogar damit rühmen, eine der ältesten Sauerteigkulturen ihr Eigen zu nennen. Ein Exemplar des seit 1941 durchgehend immer wieder neu angereicherten Roggenfladens wurde sogar in die belgische Sauerteig-Bibliothek aufgenommen, da er über eine besondere, für Deutschland untypische Hefekultur (Kasachstania humilis) verfügt.
Bisher bezieht Hatscher sein Mehl aus der Mühle in Jarmen. Der größte Mühlenbetreiber Europas, Firma GoodMills, bekannt für Marken wie Aurora und Diamant, die den seit 130 Jahren bestehenden Mühlenbetrieb nach der Wende übernommen hat, wird jedoch Ende September diesen Standort schließen. 70% des Getreides kommt aus dem Umkreis von 30 km, heißt es in der Broschüre des mecklenburgischen Vorzeigebetriebs. Dass er tatsächlich schließen muss, ist ein herber Schlag für die Region. Jaenicke kann sein Getreide also nicht mehr in Jarmen vermahlen lassen und an Hatscher verkaufen. Dem Bäckermeister wird nichts anderes übrig bleiben, als sein Mehl in Zukunft aus Hamburg zu beziehen.

Kurzfristigkeit in Großküchen

Jetzt ergreift Liane Sommer, Küchenleitung des Bonhoefferklinikums in Neubrandenburg und Malchin das Wort. Sie versorgt Mitarbeiter, Patienten und eine Kita mit bis zu 1600 Essen pro Tag. Als Diätköchin hat sie hohe Ansprüche an gesunde und regionale Ernährung. Allerdings sind die Mitarbeiter sehr preissensibel. „Die regionale Spargelwoche zum Beispiel ging nach hinten los, das Personal griff zu den günstigen Standardangeboten. „Und als ich neulich den Nudelauflauf für die Kinder mit frischem Gemüse aufpeppt habe, ist der Brokkoli liegen geblieben.“ Grundsätzlich würde sie den Bio- und Regionalanteil schon gerne erhöhen, aber die Mengen und die Aufbereitung, die sie auch manchmal kurzfristig benötigt, kann ihr kein regionaler Landwirt bieten, dafür fehlen dort einfach die entsprechenden Strukturen. „Wenn ich aufgrund einer Veranstaltung ad hoc am nächsten Tag 80 Schnitzel brauche, dann bekomme ich die bei chefsculinar sofort.“

Im Winter jeden Tag Wurzelgemüse in vielen Varianten

Dr. Joachim Borner schwenkt das Gespräch auf die beiden Köchinnen aus Greifswald um. Wie haltet ihr es mit den regionalen Lebensmitteln? Wo bekommt ihr sie her? Die beiden Köchinnen Ina Putensen und Magdalena Krakowiak, Betreiberinnen des Cateringbetriebs Gran Gusto, stellen sich vor und berichten: „Wir haben mit 20 Kindern vor sechs Jahren angefangen und versorgen heute täglich 600 Kinder bei einem Bioregionalanteil von fast 80%. Preisdiskussionen hatten wir kaum. Das größere Problem war die Fleischdebatte, die wir mit den Eltern führen mussten, als sie den Fleischanteil zugunsten des regionalen pflanzlichen Produkts reduzierten. Wenn das Fleisch wegfällt, fehlt ja ein wichtiger Nahrungsbestandteil. Wir haben viel Aufklärungsarbeit geleistet und ersetzen es z.B. mit unterschiedlichen Hülsenfrüchten. Inzwischen sind die Eltern begeistert von der Qualität und ziehen mit. Es funktioniert nicht, wenn man den Anspruch hat, alles immer sofort haben zu müssen – dann landet man wieder beim Anbieter von billiger, industrieller Massenware. Wir haben im Moment einen Essenpreis von 2,99 Euro, das wird nicht immer so bleiben, aber viel mehr wird es nicht werden. Es ist anders als früher, ganz klar. Im Winter gibt es jeden Tag Wurzelgemüse, aber in allen Varianten, so auch als Sellerieschnitzel – es geht gut!“

Wo sind die regionalen Anbieter?

Astrid Remann, Kita-Leiterin einer Kita in Basedow und in Remplin mit insgesamt 40 Kindern ist auch gekommen. „In Basedow gibt es keinen Konsum mehr, deshalb sind wir immer darauf angewiesen, im Discounter zu einzukaufen. Im Moment arbeiten wir noch mit einem großen Küchenanbieter zusammen, sind jedoch nicht mehr zufrieden und würden gerne selbst kochen. Natürlich würde ich im Sommer lieber die Tomaten aus Deutschland kaufen, aber es sind selten welche zu finden. Wir haben auch einen eigenen Garten, mit Möhren, Bohnen und Erbsen und machen auch für ein paar Tage unser eigenes Essen und haben auch das Saftmobil da gehabt und unsere 900 Liter Saft selbst pressen lassen. Unser Problem sind die Eltern – nicht die sozial Schwachen, die bekommen Zuschüsse. Die Selbstzahler kommen auf bis zu 120 Euro pro Monat pro Kind: ein Mittagessen kostet 3,40 Euro und für Frühstück und Vesper kommen 6 Euro pro Tag und Kind zusammen.“
Anschließend berichtet Herr Lerm aus Greifwald, Betriebsleiter der „Hansekinder“ davon, wie er dazu kam, sich für Küchen in Kitas einzusetzen. „Die Köchin als gute Seele in der Einrichtung – so kenn ich das von früher. Das Haus duftet, die Kinder erleben ja auch was. Das ist ja auch ein ganz wichtiger Aspekt der frühkindlichen Bildung. Dass die Kinder da herangeführt werden: was ist denn eigentlich Landwirtschaft, wo kommen die Lebensmittel her, was ist eigentlich das Ursprungsprodukt? Wir haben das versucht, es war ein großer Kampf, es muss durch die städtischen Gremien durch, ist ja auch erstmal viel Geld, das man investieren muss (Anm.: ca. 450.000 Euro für eine Vollküche ab 200 Portionen pro Tag). Jetzt haben wird gerade wieder zwei Neubauprojekte in Planung und hoffen, dass in ein paar Jahren alle 14 Kitas selbst frisch kochen können.“ Er ermutigt Astrid Remer, nicht nur auf Fördermittel zu setzen und den Umbau über Bankkredite zu finanzieren.
„Das mit den regionalen Anbietern ist für uns übrigens auch ein Problem. Denn wenn man aus der Gastronomie kommt, ist man dieses Großlieferantengeschäft gewohnt. Und bei uns stellt sich deshalb die Frage: Wo finden wir die regionalen Anbieter? Unser Köchinnen können ja nicht die ganze Region erkunden. Da wäre es schön, wenn es einen Katalog gäbe, in dem man die Produkte findet.“

Genossenschaft MeckSchweizer und Hof in Alt Sührkow 

Jetzt ergreifen die Leute der Genossenschaft MeckSchweizer die Gelegenheit, ihre ansprechend aufgemachten Flyer herumgehen zu lassen. Bernd Kleist erzählt, wie damals die Idee entstand, einen Dorfladen in Gessin zu eröffnen.
„Das war schon ne mutige Geschichte, für 65 Dorfbewohner, die es in Gessin noch gibt, einen Laden zu eröffnen.“
Er erzählt von einem Kürbis aus seiner Region, den er mal bei einem Großhändler bestellt hat und der auf dem Weg zu ihm unglaubliche 1000 km zurückgelegt hat. „Wir machen einen logistischen Unsinn, fahren dreimal um den Erdball! Wo findet Einzelhandel heute statt? Auf der Autobahn!“ Bernd Kleist brennt für sein Thema und beobachtet auch ein Umdenken: „Die Leute wollen wissen, wo das Essen herkommt. Wenn alle mitmachen würden, dann könnte es funktionieren.“
Die MeckSchweizer haben sich auf die Fahnen geschrieben, regionale Produkte bekannt zu machen und übers Internet zu vertreiben. Mit Gastronomen hat es jedoch leider bisher nicht geklappt, weil sie ihre Speisenkalkulation an den unschlagbar niedrigen Preisen des internationalen Großhandels ausgerichtet haben, die ihnen jederzeit Karotten und Kartoffeln in der jeder beliebigen Aufbereitungsform liefern können.
Mit einem anerkennenden Blick verweist Bernd Kleist auf Matthias Hantel, der einen Hof in Alt Sührkow betreibt.
Er bewirtschaftet 2000 ha in Form eines Gemischtbetriebes mit einer ganzen Reihe von Produktionszweigen, 670 ha davon sind Grünland. Wir haben sowohl ökologische wie auch konventionelle Landwirtschaft: Milchkühe, Ackerbau, Mutterkühe (regionale Rinderrasse Uckermärker), einen Hofladen und ein Restaurant. Mit 40 Angestellten gehört der Hof zu den führenden Betrieben in Alt Sührkow. „Meine Rinder verbringen mit ihren Mutterkühen ihr ganzes Leben auf der Weide und werden nach den strengen Richtlinien der Biopark e.V. gehalten und durch diese auch vermarktet. Bei wem das Fleisch am Ende auf dem Teller landet? Ehrlich gesagt: keine Ahnung.“ Mit Hofladen und eigenem Restaurant ist der Betrieb jedoch ein erfolgreiches Beispiel für regionale Wertschöpfung und auch deshalb so erfolgreich, weil er zwar z.B. die Bio-Fleischvermarktung Bereiche auslagert, aber durch die hohen Qualitätsmaßstäbe trotzdem wirtschaftliche Preise erzielen kann.
Schließlich kommt Jörg Piontek vom Waldgut Hardtland Hagensruhm auch zu Wort. Der ehemalige Geschäftsführer des Schlachtbetriebs Teterow betreibt inzwischen eine Mutterkuhaufzucht im Nebenerwerb. Auch er geht nochmal auf die Auflösung der Strukturen ein und die Paradoxie der Tatsache, dass argentinisches und australisches Rindfleisch, das in Basedow im Farmers Steakhouse bis vor kurzem auf den Tisch kam, günstiger als das hochwertige, direkt auf der Weide geschossene Rind von Reinhold Dettmann zu haben war.

Neue Ideen und Erhalt von Traditionen

Nachdem der moderierte Austausch im Bürgersalon offiziell beendet ist, unterhalte ich mich noch mit einem jungen Mann, Konstantin Kaufmann, der etwas später gekommen ist und frage ihn, was er beruflich macht: „Habe gerade heute mein Projekt begraben.“ Ich erfahre, dass er sich darauf spezialisieren wollte, Sterne-Restaurants mit qualitativ hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten der Region zu beliefern. Die Idee dazu entstand im Praktikum auf Grete Peschkens Hof während seines VWL-Studiums. „Die Köche wollen aber auf dem Acker stehen, mit den Landwirten selbst reden, um sich zu neuen Ideen inspirieren lassen und in der Stadt was erzählen zu können.“ Das störte er nur mit seiner gemeinten Logistik. Und wie weiter jetzt? „Vielleicht arbeite ich jetzt erstmal wieder bei Grete im Garten.“
Ich plaudere noch ein paar Takte mit Gisela und Herich Wyrich Adolphi, Landwirte, die leider gar nicht zu Wort gekommen sind und erkundige mich nach ihrem Spezialgebiet: Getreidelandwirtschaft, große Anbauflächen. Das Paar äußert sich sichtlich positiv überrascht darüber, dass die Teilnehmerrunde so heterogen war, sie haben die Debatte interessiert verfolgt. Was ihn beschäftige, sei z.B. die Tatsache, dass „bei Milchprodukten die Tierhaltung für die Verbraucher merkwürdigerweise eine viel geringere Rolle spielt als beim Fleisch“.
Ich wage die Prognose, „dass es wahrscheinlich nicht mehr lange dauern wird, bis die Debatte um in industrielle Produktionsbedingungen auch die tierischen Milchprodukte erreicht hat,“ woraufhin er entgegnet: „Es macht sich ja keiner klar, von wem die Weidelandschaften instand gehalten werden sollen, wenn es durch die Ausbreitung von Veganismus irgendwann keine Rinder mehr gäbe. Sie werden immer häufiger dafür eingesetzt, durch entsprechende Beweidungskonzepte den Lebensraum für Weißstorch, Wiesenbrüter und andere in ihrem Bestand bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu sichern und wieder herzustellen.“
Bilder von Wildpferdeherden und Galloway-Rindern ziehen mir durch den Kopf. Und die Frage, ob sich eine Mehrheit für Förderprogramme finden würde, die Landwirten erlauben, vom Aussterben bedrohte Rassen zu züchten und zum Erhalt oder der Zurückgewinnung von Biotopen beizutragen, ohne dabei auf Einnahmen durch Fleischverarbeitung angewiesen zu sein.
Realistischer erscheint mir jedoch die Überlegung, die Adolphis und Christoph Hatscher dafür zu begeistern, sich mit anderen Getreidebauern und den restlichen noch nicht ausgestorbenen Bäckern in Mecklenburg Vorpommern zusammen zu tun, um eine Genossenschaft zu gründen, mit der sie die über 100 Jahre alte Mühle in Jarmen retten könnten.

Einer Genossenschaft für den Schlachthof in Teterow kann ich als Vegetarierin trotz meiner Leidenschaft für den Genossenschaftsgedanken bei bestem Willen nichts abgewinnen. Regionale Wertschöpfung hin oder her. Bei der Mühle aber wäre ich sofort dabei.

Wie jetzt weiter?

Leidenschaftliche Köchinnen wie Magdalena Krakowiak und Ina Putensen von Gran Gusto Catering, visionäre Unternehmer wie Achim Lerm aus Greifswald, Familienunternehmen wie die Bäckerei Hatscher, begabte Betriebsleiter wie der auf Diversifizierung setzende Landwirt Matthias Hantel aus Alt-Sührkow sowie der umtriebige Netzwerker Bernd Kleist mit seinem Dorfladen in Gessin und alle anderen Teilnehmer zeigen, dass sie für ihr Thema brennen und es ihnen trotz der Dynamik der globalen Märkte und vieler weiterer Widerstände gelungen ist, hochwertige und für den Durchschnittsverbraucher bezahlbare Produkte herzustellen und damit regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen.

Wie können wir sie mit anderen Akteuren zusammenbringen, die diesen Weg auch gehen wollen? Ein nächster Schritt könnte vielleicht sein, über die Resonanz zu dieser Berichterstattung weitere Akteure zu erreichen. Vielleicht wäre ein Mentoringprogramm, in dem die „Raumpioniere“ ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben, eine Möglichkeit?

Im Anschluss an den Austausch finden sich die Gäste zu Martinas Kürbissuppe und Ciabatta mit Mehl aus Altkalen in der großen Küche ein. Am Ende werden sogar noch kulinarische Schätze hervorgezaubert: eingelegte Zitronen vom eigenen Baum! In den Gaumen der Gartengourmets leuchtet der Sommer noch lange nach…

Spanien, Holland und die Ukraine in einem Döner

Am nächsten Morgen geht’s wieder zurück nach Berlin, Martina hat mich am Bahnhof in Malchin abgeliefert. Es ist 10:15 Uhr. Heißt: 29 Minuten Warten in der kalten Bahnhofshalle, in der eine zugeklappte Tischtennistischplatte eine immerhin indirekte Wärmequelle darstellt. In Ermangelung von Mitspielern (ganz zu schweigen von Bällen) entscheide ich mich für Mirways Dönerhaltestelle gegenüber.
Obwohl ich seit der Vorbereitung dieses Bürgersalons so viel weiß über den Irrsinn der Lebensmitteltransporte durch die ganze Welt, schaffe ich es manchmal nicht, meine eigene Lebensmittelversorgung so vorausschauend zu planen, dass ich an Orten, an denen man nicht weiß, woher das Essen kommt, nicht doch plötzlich hungrig bin.
Ich bestelle einen Gemüsedöner und bereue umgehend, dass ich nicht ein leckeres selbst gebackenes Brot aus Karnitz mitgenommen habe. Die Tomaten kommen aus Spanien, der Salat aus Holland, das Getreide aus dem Fladenbrot stammt – ich habe nachgefragt  – aus der Ukraine.
Der nette Dönerladenbetreiber stellt seinen Aufsteller raus und steckt Kabel der beiden Glücksspielautomaten ein, die langsam aufwachen. „SUN! Los Angeles“ blinkt auf dem einen in vielen Farben und „SUN! Las Vegas“ auf dem anderen in vielen anderen Farben. Ach, Amerika! Du warst doch gestern auch schon da.

Nachtrag: Ich habe gerade erfahren, dass bereits letztes Jahr eine Bürgerinitative zur Rettung der Mühle in Jarmen gegründet wurde. Es wurden mittlerweile über 7.000 Unterschriften gesammelt. Unterschriftenlisten liegen in allen Bäckereien der Region aus. Am Montag, den 17. Februar um 19 Uhr findet das nächste Treffen im Haus der Begegnung in Jarmen statt.

Anna Hope

Wir solidarisieren uns!

test 4

Der Verein Tutmonde aus Stralsund und die Vereine DaMigra und Lola für Demokratie wurden letzte Woche von von drei mutmaßlich rechtsextremen Männern bedrängt und bedroht.

27.01.2020

Der Verein Tutmonde aus Stralsund und die Vereine DaMigra und Lola für Demokratie wurden letzte Woche von von drei mutmaßlich rechtsextremen Männern bedrängt und bedroht. Wir solidarisieren uns mit den Vereinen: https://nord-sued-bruecken.de/soli-stralsund.html

Eine Woche zuvor, am 15.01.2020 gab es einen Angriff auf Karamba Diabys Bürgerbüro in Halle sowie erneute Morddrohungen gegen ihn. Wir solidarisieren uns mit ihm:

Der Projekthof Karnitz ist mit 14 weiteren Vereinen aus allen ostdeutschen Bundesländern Teil des Programms WSD – weltoffen, solidarisch, dialogisch.

Gemeinsam gegen den Klimawandel

test 4

Der Infoabend am Dienstag, zu dem Tim Urbanek und Joachim Borner, zwei der Inititatoren des Antrages zum Klimanotstand geladen haben

20.01.2020

Der Infoabend am Dienstag, dem 28.01., zu dem Tim Urbanek und Joachim Borner, zwei der Inititatoren des Antrages zum Klimanotstand geladen haben, machte nochmal die Dimension deutlich:

“Es geht nicht um den Notstandsbegriff, sondern darum, ob wie die Sache so ernst nehmen, wie sie wirklich ist. Ich fühle mich verantwortlich für die Zukunft meiner Kinder und Enkel”, so Joachim Borner.

Und Tim Urbanek machte die Problematik mit einem plastischen Beispiel konkret: “Welche Form der Aufforstung ist notwendig bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad und mehr, wenn die Buchenwälder bei enormer Erderwärmung nicht überleben werden?”

Bürger*innen, die Kommune Neukalen und darüber hinaus müssen gemeinsam Lösungen finden und sich mit dem, was kommen wird und könnte, auseinandersetzen. Der Aktivismus Weniger wird nicht ausreichen, anpassungsfähige (resiliente) Strukturen zu schaffen, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Nordkurier, 29.01.2020, Klima-Diskussion: Aktivisten lassen nicht locker