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Ein Film von Dieter Schuhmann am 12.04. um 19.30 Uhr in Karnitz, anschließende gesellige Gesprächsrunde mit Dieter Schumann
Insel Hiddensee/DDR, 1988: Am Strand erfolgt eine Lautsprecherdurchsage: „Werte Urlauber, Feeling B aus Prenzlauer Berg werden in den kommenden zwei Stunden auf der Promenade ein Konzert geben. Wir bitten um Verständnis für die eventuell auftretende Lärmbelästigung.“ Die Mitglieder der Band heben sich allein mit ihren gefärbten Haaren deutlich vom biederen Look der meisten Urlauber/-innen ab. Zum schnellen Rhythmus und den harten Gitarrenriffs singt Aljoscha Rompe: „Wir wollen immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne.“ Aus den Strandkörben schälen sich einige Punks, die anfangen Pogo zu tanzen. Ungläubige Blicke legen sich auf die jungen Männer, die mit schweren Arbeitsstiefeln und Tarnfleckhosen scheinbar gar nicht an den Strand passen. „Endlich ist mal was los, sonst gibt es hier doch nichts“, sagt einer der Jugendlichen später im Interview. Das Gefühl der Apathie kommt in mehreren Gesprächen zum Tragen: Langeweile und Stillstand als Lebensgefühl einer Generation – aber auch Ausdruck der DDR in den letzten Zügen. Sandow-Frontmann Kai-Uwe Kohlschmidt beschreibt die Atmosphäre im Land als „verstaubte Zufriedenheit“, während er einen neu geschriebenen Song anmoderiert, der vom Niemandsland handelt. Gesungen klingt es wie „Niemands Land“. Die Strophe endet mit dem Vers: „I want a new life / I want a new life!“
DDR 1988 – 120 Min.
Regie: Dieter Schumann
Drehbuch: Jochen Wisotzki, Dieter Schumann
Mitwirkende: Tamara Danz, Dirk Zöllner, Kai-Uwe Kohlschmidt, Arthur „Aljoscha“ Rompe, Paul Landers, Christian „Flake“ Lorenz u.a.
Karten reservierbar per E-Mail sowie an der Tageskasse, 5,- Euro, erm. 3,- Euro
Gefördert durch den Bürgerfonds Kultur des Land Mecklenburg-Vorpommern
Komponist Michael Jary und Texter Bruno Balz waren über 40 Jahre lang das produktivste und erfolgreichste Duo des deutschsprachigen Schlagers und Kinos. Ihre Lieder wie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ oder „Davon geht die Welt nicht unter“ (beide 1942) machten Zarah Leander musikalisch zum Weltstar. Die 250 Kinofilme, zu denen sie die Musik beisteuerten, reichen von eleganten Komödien der Weimarer Zeit über ambivalente Melodramen im Dritten Reich bis zu Filmen in den Wirtschaftswunderjahren. „Im Schatten der Träume“ erzählt das bewegte Leben der beiden Künstlerfreunde – zwei Biographien, die selbst das Drehbuch für ein Melodram liefern könnten. Balz war als schwuler Mann ein Verfolgter des NS-Regimes und entging dem Konzentrationslager nur durch die Intervention von Jary, der angab, ohne seinen Texter die vom Propagandaministerium geforderten Lieder für den Film „Die große Liebe“ (1942) nicht liefern zu können.
Regisseur Martin Witz kombiniert Szenen aus bekannten Spielfilmen mit privaten Fotografien, seltenen Interviews und Erinnerungen von Zeitzeug:innen. Expert:innen wie der Musikhistoriker und Unterhaltungskünstler Götz Alsmann erklären kenntnisreich und hintergründig die Entstehungsgeschichten der weltberühmten Lieder und Filme – und warum die Musik von Jary und Balz so verblüffend zeitlos ist.
Eine Zeitreise durch vier Jahrzehnte Populärkultur, die mit Swing, frechen Berliner Chansons und Liebesliedern einen weiten musikalischen Bogen spannt, aber auch im politischen und gesellschaftlichen Kontext kritisch über „Unterhaltung“ und Ideologie nachdenkt.