Patrice Lumumba © Harry Pot Anefo Nederlands Nationaal Archief
Ein Film von Johan Grimonprez am 20.04. um 19.30 Uhr in Karnitz
Zu Beginn der 1960er Jahre wagen immer mehr afrikanische Staaten den Aufstand gegen die europäischen Kolonialmächte und kämpfen für ihre Unabhängigkeit. Während die Sowjetunion und andere sozialistische Staaten sie unterstützen, blicken die USA und viele westliche Verbündete skeptisch auf die Dekolonialisierung. Ihr Interesse gilt vor allem den Bodenschätzen, über die sie die Kontrolle behalten möchten. Die USA intervenieren in dieser Phase der kolonialen Befreiung auf unkonventionelle Weise: Jazzgrößen wie Louis Armstrong, Nina Simone oder Dizzy Gillespie werden als Werbeträger*innen in afrikanische Länder gesandt, um dort mit ihrer Musik für ein positives Bild des Westens zu sorgen. Zeitgleich solidarisieren sich wichtige Figuren der Bürgerrechtsbewegung in den USA wie Malcolm X oder die Jazzmusiker*innen Abbey Lincoln und Max Roach mit den afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen.
Regisseur Johan Grimonprez durchleuchtet diese von Dekolonialisierung und Kaltem Krieg geprägte Zeit und fokussiert sich auf die Geschehnisse im Kongo. Dort gerät Patrice Lumumba, erster Premierminister nach der Unabhängigkeit, ins Visier der CIA und der ehemaligen Kolonialmacht Belgien, die das gerade erst selbständig gewordene Land politisch gezielt destabilisieren.
Spannend wie ein Thriller, mit atemberaubend montiertem Archivmaterial und unterlegt von den Jazzsongs dieser Zeit, orientiert sich der Film an überraschenden historischen Quellen wie den Audiotagebüchern von Nikita Chruschtschow, den Memoiren der Lumumba-Vertrauten Andrée Blouin und den Essays des Schriftstellers In Koli Jean Bofane.
BE/FR/NL 2024, 150 Min., engl., frz. OmU,
Regie: Johan Grimonprez,
mit: Patrice Lumumba, Louis Armstrong, Andrée Blouin, Nina Simone, Nikita Krutschev, Eisenhower, Fidel Castro, Duke Elligton
Karten reservierbar per E-Mail sowie an der Tageskasse, 5,- Euro, erm. 3,- Euro
Gefördert durch den Bürgerfonds Kultur des Land Mecklenburg-Vorpommern
Komponist Michael Jary und Texter Bruno Balz waren über 40 Jahre lang das produktivste und erfolgreichste Duo des deutschsprachigen Schlagers und Kinos. Ihre Lieder wie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ oder „Davon geht die Welt nicht unter“ (beide 1942) machten Zarah Leander musikalisch zum Weltstar. Die 250 Kinofilme, zu denen sie die Musik beisteuerten, reichen von eleganten Komödien der Weimarer Zeit über ambivalente Melodramen im Dritten Reich bis zu Filmen in den Wirtschaftswunderjahren. „Im Schatten der Träume“ erzählt das bewegte Leben der beiden Künstlerfreunde – zwei Biographien, die selbst das Drehbuch für ein Melodram liefern könnten. Balz war als schwuler Mann ein Verfolgter des NS-Regimes und entging dem Konzentrationslager nur durch die Intervention von Jary, der angab, ohne seinen Texter die vom Propagandaministerium geforderten Lieder für den Film „Die große Liebe“ (1942) nicht liefern zu können.
Regisseur Martin Witz kombiniert Szenen aus bekannten Spielfilmen mit privaten Fotografien, seltenen Interviews und Erinnerungen von Zeitzeug:innen. Expert:innen wie der Musikhistoriker und Unterhaltungskünstler Götz Alsmann erklären kenntnisreich und hintergründig die Entstehungsgeschichten der weltberühmten Lieder und Filme – und warum die Musik von Jary und Balz so verblüffend zeitlos ist.
Eine Zeitreise durch vier Jahrzehnte Populärkultur, die mit Swing, frechen Berliner Chansons und Liebesliedern einen weiten musikalischen Bogen spannt, aber auch im politischen und gesellschaftlichen Kontext kritisch über „Unterhaltung“ und Ideologie nachdenkt.
