Podiumsdiskussion am 8. September 2006

Zivilgesellschaftliche Initiativen zur Armutsbekämpfung am Beispiel Chiles , Lelkendorf, Haustierpark (ARCHE)

Herr Löbnitz vom Tierrassenpark problematisierte in der Exkursion (mit fast 30 TeilnehmerInnen) den Zusammenhang von Bio- und Agrodiversität und Diversität von Kulturen als wesentliche Basis für menschliche Entwicklung. Die Wertschätzung von Erfahrungswissen und traditionellen Kenntnissen für Strategien zur Armutsreduzierung muss an Bedeutung gewinnen.
In der Podiumsdiskussion stellte die Bürgermeisterin L. Zapata die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen in ihrer Region Rio Hurtado vor, welche Aufgaben und Funktionen diese für Entwicklungsprozesse haben und wie sie sich jetzt im Regionalforum professionell zusammengeschlossen haben. Und sie beschrieb, wie in den Organisationen Initiativen entstehen zur Nutzung regenerativer Energien (Kosteneinsparung in den Haushalten), zur effektiveren Bewässerung, zur Abwasserentsorgung und zur Bildung als Teil lebenslangen Lernens. Dieses Lernen findet in Projekten statt: Z.B. bei der Gründung eines Bauunternehmens für Lehmbau.
Dr. Borner knüpfte an dieses informelle Lernen als Form des empowerment an. Der Satz „Hilfe zur Selbsthilfe“ bekommt zunehmend Bedeutung durch die Verbindung von Problemlösung und Kompetenzentwicklung. Er zeigte, wie dabei kooperative Formen der kommunalen Gouvernance als Rahmenbedingung sehr wichtig ist. Und wie wichtig integrative, sektorüberschreitende Entwicklungsvorstellungen verfolgt werden müssen: D.h. wie Umweltschutzvorhaben und Maßnahmen zur sozialen Sicherung verbunden werden müssen mit entwicklungspolitischen Anforderungen. Für MV heißt das, Umweltbildung mit globalem Lernen zusammen zu bringen. Dario Jana brachte folgende Erfahrungen und Schlüsse ein: Wir in Deutschland können und müssen in den Organisationen der Zivilgesellschaft und der Verwaltung/Politik schnell (wieder) von den lateinamerikanischen Projekten und Partnern lernen: 1. Die Kooperation, die Wertschätzung des sozialen Kapitals der Zusammenarbeit als Entwicklungsfaktor und 2. die Wahrnehmung der alltagskulturellen Lebenswelten als Handlungsebene (nicht die Differenzierung in Umwelt-, soziale, Bildungsfragen etc. Umgekehrt können und sollten die lateinamerikanischen Partner Kompetenzen zur strategischen Gestaltung von Entwicklungsprojekten und zur radikalen Adaption von transferiertem Wissen an ihre kulturellen Grundmuster.
Im Verlauf der Veranstaltung wurden folgende Kooperationsfelder definiert, die nun in der folgenden Zeit in Chile wie in Deutschland unterfüttert werden:

  • Installation von Pflanzenkläranlagen zur Abwasserbehandlung von Familien/ Allianzen von Familien und Weiternutzung des sauberen Abwassers zur Bewässerung/Erschließung neuer Flächen.
  • Unterstützung des Aufbaus eines Systems regenerativer Energien für Rio H : Konzeption und Planung eines Versorgungsmix (Geothermie, Solar, Wind) durch Experten aus MV. Aufbau des Kontakts zum Geothermieforum Neubrandenburg
  • Verabredung von Kulturamt/Schulamt, Gymnasium, Alcadesa und Stiftung RAA-MV zum Aufbau Schülerprojekt: Berufsorientierung für erneuerbare Energien durch Schülerfirmen.