Lokale Unterstützer- und Infrastruktur für „Klimawälder“

Lokale Unterstützer- und Infrastruktur für „Klimawälder“

In den Regionen der beteiligten Kommunen in Chile ist gleichermaßen durch die Industrialisierung im vergangenen Jahrhundert (Minen /Salpeter und Kupfer) ein äußerst massiver Druck auf bewaldete Flächen ausgeübt worden (Rodung). Folgen waren und sind in den z.T. semiariden Flächen Erosion, Armutszunahme durch geringere Erträge, Verringerung der Artenvielfalt etc. In den vergangenen 40 Jahren wurden zwar Aufforstungen realisiert, doch waren diese entweder Aufforstungen von Pinien/Eukalyptusplantagen – mit den Folgen der Bodenversauerung oder weite Plantagen des Obstanbaus (Mandel, Pfirsich, Apfel, Avocados u.a.), durch die eine Übernutzung von Grund- und Oberflächengewässern (z.B. ist der Wasserspiegel der Talsperre am Rio Hurtado seit 5 Jahren kontinuierlich durch übermäßige Entnahme gefallen), Preissteigerungen bei der Wassernutzung, Umverteilungen zuungunsten der Campesinos und weitere Verringerung der Biodiversität die Folgen waren. Zu all dieser Belastung kommt spürbar seit etwa 6 – 8 Jahren der Stress infolge des Klimawandels: verringerte Niederschläge (Gesamtmenge); Zunahme extremer Wetterereignisse (Sturzfluten und Zunahme der Erosion, Trockenheiten u.a.); Trockenfallen von Flüssen, verstärkter Druck auf Arten u.a.. Im Jahr 2010 war der Druck des La Nina Phänomens so stark wie nie vorher.
Chile ist nach Berechnungen des IPCC eines der verwundbarsten Länder im weltweiten Klimawandel. Der Druck auf die Wasserversorgung wird in der Zukunft ebenso wie die Bodenerosion und die Ausdehnung der Wüsten ganz neue Größenordnungen erreichen, selbst wenn die weltweite Erwärmung nicht viel mehr als 2 Grad bis zum Jahr 2050 beträgt. Das wiederum hat Folgen auf die natürliche Besiedlung mit Pflanzen und Tieren, auf die landwirtschaftlichen Ertragsbedingungen, auf die ungleiche Konkurrenz zwischen Campesinos und großen Nahrungsmittelproduzenten um Boden und Wasser, auf die Lebensbedingungen und Überlebensbedingungen von Dörfern und Städten. Soziale und sozioökonomischen Folgen sind weitere Verarmungen, Abwanderungen v.a. junger Menschen, Stillegungen von kleinen landwirtschaftlichen Unternehmen, Störungen der traditionellen Subsistenzwirtschaft – ein Prozess regionaler Degradation und Verringerung der Bindung und Identität.
So wie es weltweit um schnellere Lern- und Umsetzungsprozesse von Klimaschutz und Klimaanpassung auf globaler und nationaler Ebene geht, so gilt das auch für die lokalen Akteure. Mit dem Projekt sollen sich
a) sehr sehr deutlich die zivilgesellschaftlichen Akteure in der Kommune sensibilisieren und zu gemeinsamen Anpassungs- und Schutzmaßnahmen organisieren und
b) die kommunalen Verwaltungen in die „Klimawälder“ integriert werden: als Schützer, die per Beschluss der Bürgervertreter das Projekt juristisch sichern.
Um gegen die historischen Belastungen und gegen die Klimafolgen ankämpfen zu können braucht es wieder Wälder in den Regionen. Klimawälder, die sowohl Maßnahmen zum Klimaschutz darstellen (CO2-Bindung) als auch Maßnahmen zur Anpassung an Klimafolgen, zur Verbesserung der landschaftlichen und landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und zum sozioökonomischen Empowerment der Campesinos, Imker, kleinen Waldbesitzer etc. führen.
Dieses Projekt hat auch Symbolcharakter. Wo sich abzeichnet, dass sich mit dem Klimawandel für arme Kleinbauern und Hirten u.a. nicht nur das Einkommen (weiter) reduziert, sondern dass neue Existenzprobleme entstehen, Zwänge zur Migration und Aufgabe ihrer Kleinbetriebe, weitere und radikalere Exklusionen etc. werden beispielhafte Projekte des Empowerments wichtige Hilfen im politischen Kampf. Sie unterstützen in ihren verschiedenen Formen: Klimawälder und Baumschulen/Archen, lokale regenerative Energien zur Daseinsfürsorge u.a. die lokalen Bestrebungen zur Selbstorganisation und die politischen Proteste gegen die Energiepolitik und gegen das ausgrenzende Bildungssystem. Partizipative Projekte sind wesentliche Schlüssel für erfolgreiche Gegenwehr gegen eine noch größere Schere in Vermögen und Einkommen – die in Chile die weltweit größte ist. Die Verbindungen mit Ecuador, Bolivien, Kolumbien u.a. zeigen zudem, dass solcherart guter Beispiele auch in diesen Ländern Wirkung zeigen wird. .

Kontakt
Anne Mette
E-mail: amette@kmgne.de
Tel: ++49 / 030 / 29367 940

Gefördert durch die Stiftung Nord-Süd-Brücken

Laufzeit: Juni 2012 – November 2013

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