Es fängt erstmal klein an – und vielleicht wird man sogar ausgelacht

Stoff- und Energiekreisläufe : Infomaterial von Bertold Meyer.

Bertold Meyer ist seit 27 Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bollewick und seit acht Jahren Mitarbeiter der Akademie für Nachhaltigkeit Mecklenburg-Vorpommern. Bevor er im Bürgersalon in Gielow über „BioEnergieDorf – (Förder)möglichkeiten auf kommunaler Ebene für eine nachhaltige Entwicklung von Gemeinden” sprach, führte der Projekthof Karnitz e.V. ein kurzes Interview mit ihm:

 

Projekthof Karnitz e.V. (PK): Wie trägt Ihre Arbeit zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele bei?

Bertold Meyer (BM): Bei der Akademie für Nachhaltigkeit beschäftigen wir uns sehr intensiv mit dem Thema, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch generell. Wir versuchen Übersetzungsformen zu finden, damit dieser relativ schwierige Begriff der Nachhaltigkeit, verständlicher für die Menschen wird.

PK: Wie sehen Sie die Chancen der Umsetzung von Nachhaltigkeit im infrastrukturschwachem ländlichen Raum?

BM: Erstmal muss man Nachhaltigkeit definieren: Wir brauchen ein lebensfähiges Umfeld auch für die nächsten Generationen. Da sehe ich gerade den ländlichen Raum mit hervorragenden Grundlagen dafür. Das heißt ja nicht, dass unserer täglicher Lebensstil, so wie wir ihn heute kennen, der Lebensstil der Zukunft sein muss. Die Frage ist : Kann er es überhaupt sein? Wir sagen, dass er es nicht sein kann. Es muss sich etwas verändern. Es kann sogar sein, dass übertriebene Infrastruktur zum Hemmnis wird. Dann ist der ländliche Raum sogar im Vorteil, und man muss nur überlegen, mit welchen Ansprüchen man arbeitet.

PK: Was ist der wichtigste Faktor bei der Arbeit zur Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen: Technologie und Effizienz oder Kooperation?

BM: Wir brauchen einen Wandel des Verhaltens. Wir brauchen einen Kulturwandel. Dieser geht auch mit technischen Veränderungen einher, die man natürlich nutzen kann. Aber alleine mit technischen Veränderungen kann man die Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen. Wir brauchen veränderte Verhaltensweisen.

PK: Sehen Sie in Ihrer Arbeit, dass dieser Wandel schon stattfindet?

BM: Es sind oft kleine Initiativen, da geht es los. Es ist normal, dass es erstmal klein anfängt. Und es wird vielleicht sogar ausgelacht, weil gesagt wird: ‚Das geht sowieso alles nicht’. Bis es sich irgendwann durchsetzt und sich beweist, dass es viel resilienter ist, als das was wir heute haben.

Bertold Meyer im Bürgerhaus Gielow, 26.04.2017 (Tag der Erneuerbaren Energien und Jahrestag der Tschernobylkatastrophe)